Verschlüsselung bei DVB-T kommt

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Verschlüsselung bei DVB-T kommt – Seite 4

Alles verschlüsselt

Alles verschlüsselt

Anders als DVB-T wird DVB-T2 in Österreich durchweg verschlüsselt sein. Die ORS beschreitet dabei den gleichen Weg, wie sie ihn schon beim digitalen österreichischen Satellitenfernsehen gegangen ist. Über Astra werden die ORF-Programme und Privatsender nur verschlüsselt ausgestrahlt. Für den Empfang benötigen alle Österreicher demnach eine Smartcard, die sie gegen eine einmalige Gebühr erhalten.
 
Um eine oder mehrere Karten zu bekommen, muss man einen Wohnsitz in Österreich haben und die landesüblichen Rundfunkgebühren (GIS) entrichten. Über die ORF-Smartcard kann der Interessent zusätzlich auch Pay-TV-Angebote freischalten lassen, die er selbstverständlich zusätzlich bezahlen muss. Genauso wird es auch bei DVB-T2 sein, denn neben den grundverschlüsselten Programmen wird es echtes Pay-TV geben.
 
Wie bereits im Herbst 2011 seitens der ORS durchsickerte, sind dafür monatliche Gebühren von unter 10 Euro angedacht. Laut Weber wird DVB-T2 als Kombination aus Terrestrik und Breitband eine attraktive Erweiterung des bestehenden Angebots werden, was die Österreicher garantiert begeistern wird.

Simultanbetrieb?

Die Frage nach einem harten Umstieg stellt sich in Österreich gar nicht. Zum einen hat man im Lande noch genügend Frequenzen, die einen Parallelbetrieb von DVB-T und -T2 zulassen. Außerdem soll DVB-T2 das bisherige DVB-T ergänzen, nicht ersetzen. Damit bleiben die DVB-T-Sendernetze bis auf Weiteres eingeschaltet, und das mit weitreichenden Folgen. Einerseits kann der Kunde selbst entscheiden, ob und wann er auf den neuen Verbreitungsweg umsteigen möchte.
 
Andererseits kann er sein bestehendes Empfangsequipment im gewohnten Umfang auch künftig weiterverwenden. Damit werden zumindest in Österreich alle DVB-T-Receiver, -USB-Sticks und in den TV-Geräten integrierte DVB-T-Tuner nicht über Nacht wertlos. Weber sieht die Einführung von DVB-T2 zudem als langfristige Angelegenheit. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis DVB-T2-taugliches Equipment den Weg in österreichische Haushalte findet. Da DVB-T2 international auf dem Vormarsch ist, sind geeignete Geräte, egal ob Fernseher mit eingebautem Tuner oder Beistellboxen, schon heute erhältlich. Es wird noch eine Weile dauern, bis T2 ebenso zur Grundausstattung eines Fernsehers gehört wie die Möglichkeit des hybriden Empfangs über den Breitbandanschluss.
 
Der österreichische Weg bleibt aber auch für Süddeutschland nicht ohne Folgen. Wer heute in Bayern oder Baden-Württemberg österreichisches Fernsehen via Dachantenne empfängt, wird dazu auch künftig in der Lage sein – dafür wird weder neues Equipment noch eine Smartcard benötigt. Laut Mag. Michael Weber steht der Kunde bei der Einführung der neuen Technologie stets im Vordergrund.
 
Um dies zu erreichen, ziehen Sendernetzbetreiber, öffentlich-rechtliche und private Programmanbieter sowie der Handel an einem Strang – eine Vorgehensweise, die sich bereits in der Vergangenheit bewährt hat. In diesem Miteinander liegt schließlich auch der Erfolg der Digitaleinführung begründet.

Noch keine Geräte

DVB-T2-Receiver und -Fernseher kommen gegenwärtig vor allem aus Großbritannien. Es gibt aber auch bodenständige Unternehmen wie etwa Loewe, die bereits einzelne Geräte mit DVB-T2-Tuner anbieten. Um das volle Spektrum der in Österreich beabsichtigten Services nutzen zu können, ist jedoch Unterhaltungselektronik notwendig, die spezielle Anforderungen erfüllen muss. Ein entsprechender Katalog wird aktuell von der ORS erarbeitet. Er liefert die Basis, auf der Hersteller hybride DVB-T2-Modelle in den Markt bringen.
 
Die Entwicklungsarbeit kann beginnen, sobald dieser Katalog verfügbar ist. Aus dem Eycos-Entwicklungslabor haben wir erfahren, dass es rund sechs Monate dauert, bis ein neues Gerät in die Läden kommt. Noch ist also genügend Zeit, um rechtzeitig zum DVB-T2-Start in Österreich im vierten Quartal dieses Jahres geeignete Modelle in den Handel zu bringen. Einige Hersteller haben bereits entsprechende Geräte in der Hinterhand, denn in Großbritannien läuft DVB-T2 bereits seit einigen Monaten im Regelbetrieb.

Frei oder verschlüsselt?

2011 geisterte durch Insider-Kreise das Gerücht, dass DVB-T2 in Deutschland 2013 kommen solle, und zwar in der Super-GAU-Variante mit hartem Umstieg und Grundverschlüsselung. Dass dies das Todesurteil des terrestrischen Fernsehens in Deutschland bedeuten würde, hat man inzwischen auch bei den Rundfunkanstalten erkannt. Inzwischen wird eine Verschlüsselung der öffentlich-rechtlichen Programme definitiv ausgeschlossen.
 
Das IRT gibt allerdings die Einstellung der deutschen Privatsender zu DVB-T2 zu bedenken – in diesem Punkt ist alles offen. Inzwischen weiß man, dass die Privaten mit dem bisherigen DVB-T nicht nur Freude haben. Ihr Ausstieg aus dem digitalen Antennenfernsehen in der Norm T2 ist ebenso vorstellbar wie eine Codierung ihrer Programme. Diese könnten dann, ähnlich wie HD Plus, an den TV-Zuschauer gebracht werden. Es ist denkbar, dass zumindest ein Teil künftiger DVB-T2-Kanäle verschlüsselt ausgestrahlt wird. Davon hängt letztlich auch ab, welches Empfangsequipment man künftig für DVB-T2 benötigt.

Alternativen zu DVB-T2

Da man heute noch nicht sagen kann, wann und in welcher Weise DVB-T2 in Deutschland eingeführt wird, kann man an dieser Stelle über alternative Empfangswege sowie die Kosten nur spekulieren. Außerdem müssen wir uns dabei an bereits vorhandene Fakten halten.
 
Die größte Programmvielfalt wird man auch künftig via Satellit haben, gefolgt vom Kabel und IPTV. Damit wird das digitale Antennenfernsehen DVB-T2 auch hier das Schlusslicht bleiben. Wie attraktiv es wird, hängt allerdings davon ab, wie viele und welche Programme ausgestrahlt werden und wie viel es in HD zu sehen geben wird. Wir betrachten DVB-T2, genauso wie DVB-T, als ideale Ergänzung, die primär am Zweit- und Drittfernseher genutzt werden wird.
 
In diesem Fall wird das im Vergleich zum Satelliten eingeschränkte Programmangebot sicherlich als ausreichend empfunden werden. Zudem gibt es genügend Zuschauer, die nicht mehr brauchen als das, was über das digitale Antennenfernsehen ausgestrahlt wird. Steht ihnen das entsprechende Angebot künftig in HD zur Verfügung, werden sie damit auch weiterhin zufrieden sein. Die Aufrüstung eines bestehenden Fernsehers mit einer DVB-T2-Box und einer kleinen Zimmerantenne sollte indes nicht mehr als 60 bis 70 Euro kosten. Somit wird auch ein neues digitales Antennenfernsehen preiswerter als alle anderen Empfangswege sein.
 
Dicht gefolgt wird DVB-T2 vom digitalen Satellitenempfang – einfache HD-taugliche Anlagen kosten rund 100 Euro, hinzu kommen allerdings noch die Installationskosten. Kabel-TV erscheint auf den ersten Blick am preiswertesten, aber schon die auf ein Jahr hochgerechneten monatlichen Gebühren übersteigen die Kosten für DVB-T2 oder eine einfache Sat-Anlage.
(Thomas Riegler)

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