Verschlüsselung bei DVB-T kommt – Seite 3
DVB-T2 in Österreich
DVB-T2 in Österreich
In Österreich ist man in Sachen DVB-T2 schon weiter als in Deutschland. Bei unserem südlichen Nachbarn ist geplant, das neue digitale Antennenfernsehen DVB-T2 bereits im vierten Quartal 2012 zu starten. Am 15. November 2011 wurde die Ausschreibung für die beiden bundesweiten Multiplexe Mux D und E beendet. Die ORS Comm, ihres Zeichens der größte Sendernetzbetreiber Österreichs, hat ihre Bewerbung für die beiden ausgeschriebenen Plattformen bei der Komm Austria abgegeben.
Sie will damit sicherstellen, dass das digitale terrestrische Antennenfernsehen in Österreich wettbewerbsgerecht weiterentwickelt werden kann. Nachdem es keine weiteren Bewerber gab, ist bereits heute klar, worauf sich Österreicher ab dem vierten Quartal 2012 freuen dürfen. Dennoch ist zu erwähnen, dass das Bewilligungsverfahren seitens der Komm Austria noch nicht abgeschlossen ist.
Bis zu 30 Programme
Zunächst sollen via DVB-T2 bis zu 30 Programme angeboten werden. Darunter auch hochauflösende Angebote wie ORF 1 HD, ORF 2 HD, Servus TV HD und ZDF HD. Laut Mag. Michael Weber, ORS Leiter Sales, Marketing & Kommunikation, nimmt man DVB-T2 als ein zusätzliches Angebot für den Kunden wahr, das eine Ergänzung zu den bereits ausgestrahlten DVB-T-Programmen darstellt.
Zuerst ist die Versorgung der österreichischen Ballungsräume geplant. Nach Vorgaben der Regulierungsbehörde sollen innerhalb des ersten Jahres bis zu 50 Prozent der Bevölkerung erreicht werden. In einem zweiten Schritt soll dann der Flächenausbau erfolgen. Selbstverständlich interessierte uns auch, welche Programme künftig über das österreichische DVB-T2 angeboten werden könnten. Als potenzielle Kandidaten gelten die für Österreich veranstalteten Programme der Pro-Sieben-Sat-1-Gruppe. Neben dem rein österreichischen Kanal Puls 4 bieten sie auch Pro Sieben Austria, Sat 1 Österreich und Kabel Eins Austria an. Sie unterscheiden sich von den deutschen Originalen durch eigene österreichische Programmelemente.
Wie wir von Markus Bacher, Leitung Distribution bei Seven One Media, erfuhren, ist für die Sendergruppe grundsätzlich jeder neue Übertragungsweg von Interesse. Er bestätigte auch, dass man bereits in Gesprächen mit der ORS stehe. Da man sich dabei allerdings erst in einer sehr frühen Phase befinde, sei noch völlig offen, in welche Richtung sich dieser Dialog entwickeln werde – noch könne demnach keine Aussage getroffen werden. Wir vermuten, dass zumindest mit Puls 4 gerechnet werden kann. Schließlich ist der Sender, wie auch die anderen Kanäle der Gruppe, über Satellit bereits in HD empfangbar. Außerdem besitzt er die Übertragungsrechte der UEFA Champions League, worauf man sehr stolz ist.
Hybrides Angebot
Genau genommen geht es in Österreich nicht nur um die Einführung eines neuen Übertragungsstandards, sondern um die Verschmelzung von Rundfunk und Breitband. Ziel der ORS ist es, gemeinsam mit Partnern ein hybrides Angebot zu etablieren. Dabei ist laut Weber nicht auszuschließen, dass über die neue Plattform künftig auch 60, 70 oder sogar mehr Programme empfangen werden können.
Alles, was über die Übertragungskapazität der DVB-T2-Sendernetze hinausgeht, würde dann über den Breitbandanschluss kommen. Damit wird auch klar, dass die für das österreichische DVB-T2 geeigneten Geräte durchweg hybrid sein müssen. Ein Zertifizierungsverfahren wird gewährleisten, dass der Markt geeignete Geräte bereitstellt, die auf das künftige Angebot des Dienstleisters ORS auch wirklich uneingeschränkten Zugang haben.
Mit dem neuen Übertragungsstandard DVB-T2 soll dem Konsumenten nicht nur eine innovative TV-Technik angeboten werden, die einen preislich attraktiven und komfortablen Zugang zu einem breiten TV-Spektrum ermöglicht. Die via DVB-T2 ausgestrahlten Kanäle sollen mittels hybrider Endgeräte auch um Catch-up-TV und Video-on-Demand-Services ergänzt werden.
Frei oder verschlüsselt?
2011 geisterte durch Insider-Kreise das Gerücht, dass DVB-T2 in Deutschland 2013 kommen solle, und zwar in der Super-GAU-Variante mit hartem Umstieg und Grundverschlüsselung. Dass dies das Todesurteil des terrestrischen Fernsehens in Deutschland bedeuten würde, hat man inzwischen auch bei den Rundfunkanstalten erkannt. Inzwischen wird eine Verschlüsselung der öffentlich-rechtlichen Programme definitiv ausgeschlossen.
Das IRT gibt allerdings die Einstellung der deutschen Privatsender zu DVB-T2 zu bedenken – in diesem Punkt ist alles offen. Inzwischen weiß man, dass die Privaten mit dem bisherigen DVB-T nicht nur Freude haben. Ihr Ausstieg aus dem digitalen Antennenfernsehen in der Norm T2 ist ebenso vorstellbar wie eine Codierung ihrer Programme. Diese könnten dann, ähnlich wie HD Plus, an den TV-Zuschauer gebracht werden. Es ist denkbar, dass zumindest ein Teil künftiger DVB-T2-Kanäle verschlüsselt ausgestrahlt wird. Davon hängt letztlich auch ab, welches Empfangsequipment man künftig für DVB-T2 benötigt.