
Leipzig – Über die künftige Entwicklung beim Zusammenwachsen von Fernsehen und Internet äußert sich Dr. André Schneider, Business Development Manager bei Samsung, im Interview mit DIGITAL FERNSEHEN.
Für Schneider ist Internet@TV schon heute eines der bedeutenden Ausstattungsmerkmale der neuen Gerätegeneration von Samsung. Er vermutet, dass diese so genannten hybriden Geräte in den nächsten Jahren zunehmend an Bedeutung gewinnen werden. Der Vorteil solcher Geräte liegt Schneider zufolge klar auf der Hand: „Wir möchten den Konsumenten ermöglichen, Text-, Bild- und Videobasierte Dienste zusätzlich auf dem TV-Gerät zu nutzen, die heute üblicherweise nur auf dem PC verwendet werden.“
DIGITAL FERNSEHEN: Herr Dr. Schneider, Fernsehen und Internet sind zwei Medien, die in den kommenden Jahren zunehmend zusammenwachsen werden, vermuten Brancheninsider. Welchen Stellenwert haben Fernseher mit Internetanschluss in Ihrem Unternehmen?
Dr. André Schneider: Mit Medi@2.0 bieten wir vier Multimedia-Funktionen an: Internet@TV, USB 2.0 Movie, DLNA Wireless und Content Library. Dabei ist Internet@TV eines der bedeutenden Ausstattungsmerkmale unserer neuen Gerätegeneration, das wir aktuell bei LCD-, LED- und Plasma-TV-Geräten ab dem mittleren Preissegment anbieten. Diese so genannten hybriden Geräte nehmen bei uns schon heute einen sehr hohen Stellenwert ein und werden in den nächsten Jahren zunehmend an Bedeutung gewinnen.
DF: Welche Vorteile ergeben sich mit der Kombination Fernsehen – Internet für den Verbraucher?
Dr. André Schneider: Wir möchten den Konsumenten ermöglichen, Text-, Bild- und Videobasierte Dienste zusätzlich auf dem TV-Gerät zu nutzen, die heute üblicherweise nur auf dem PC verwendet werden. Dies realisieren wir in Zusammenarbeit mit Yahoo über so genannte Widgets. Gerade bei Video-Inhalten überzeugt der Fernseher als geeignetes Gerät. Die Konvergenz der Medien findet sowohl auf Seiten der Inhalte als auch bei den Verbreitungswegen und -technologien sowie bei den Endgeräten statt. Deshalb bieten wir entsprechende Produkte an, mit denen der Konsument die verschiedenen Inhalte unterschiedlicher Übertragungswege auf den dafür geeigneten Geräten nutzen kann.
DF: Das Internet entwickelt sich rasant. Wie wollen Sie gewährleisten,
mit den Standards mithalten zu können?
Dr. André Schneider: Die Internet@TV Funktion wird kontinuierlich weiterentwickelt. Technische Innovationen werden durch Anpassungen von Hard- und Software umgesetzt.
DF: Muss sich der Kunde jährlich einen neuen Fernseher kaufen, um
up-to-date zu sein?
Dr. André Schneider: Angebote (Widgets) die heute entwickelt werden, sind durch ihre Inhalte aktuell. Des Weiteren kann die Applikation über Softwareanpassungen auf den neuesten Stand gebracht werden. Allerdings kann eine Vorwärtskompatibilität wie in vielen anderen technischen Bereichen per se nicht garantiert werden. Dies bedeutet, dass zum Beispiel zukünftig entwickelte Widgets nicht auf heutigen Geräten laufen können, wenn dafür entsprechend neue Funktionen genutzt werden. Allerdings liegt es in der Hand des Anbieters dieser Inhalte, bei der Widget-Entwicklung zu differenzieren, um so Anwendungen für verschiedene Gerätegenerationen anzubieten.
DF: Viele Dienste laufen über Yahoos Widget-Plattform. Was sind die
Stärken dieser Software?
Dr. André Schneider: Die Widgets sind bereits aus der mobilen und der PC-Welt als einfach zu bedienende Applikationen bekannt. In Kooperation mit Yahoo bringen wir sie nun auf den Fernseher. Aus Sicht der Anbieter von Inhalten besteht der Vorteil dieser Lösung in seiner Offenheit, also in einer definierten Schnittstelle und dem Widget Developer Kit (WDK), auf dessen Basis neue Applikationen selbst entwickelt werden können. Aus Nutzersicht besteht der Vorteil in der darin entstehenden Vielfalt der Angebote. Neben den globalen Kooperationen mit Yahoo/Flickr oder Google/Youtube werden bald auch zahlreiche lokale Inhalte angeboten.
DF: Ist der Fernseher in Zukunft ein Computerersatz oder nur eine
Computerergänzung für das Wohnzimmer?
Dr. André Schneider: Die Konvergenz der Medien bringt die unterschiedlichsten Gerätetypen auf den Markt, die sich teilweise auch in ihren Nutzungsmöglichkeiten überschneiden. Allerdings steht meist eine Anwendung im Vordergrund. Beim TV ist dies das Fernsehen im weiteren Sinne, das heißt, wir wollen neben dem klassischen, linearen Fernsehen vor allem Zugang zu weiteren Video-Inhalten ermöglichen, die über andere Distributionsformen (IP/ Internet) nutzbar sind. Im Vordergrund steht dabei die einfache Handhabung nur mit der TV-Fernbedienung. Aufgrund dieser Konzeption bieten wir einen reinen Zugang zum Internet via Browser nicht an. Die Verbraucher werden ihre Medien auch in Zukunft parallel nutzen – zum Beispiel surfen sie weiterhin mit ihren Notebooks oder Mininotebooks im Internet.
DF: Viele Internetdienste sind nur für einige Zeit am Markt. Wie
vermeiden Sie, dass Kunden mit Diensten gelockt werden, deren Fortbestand in ein paar Jahren noch nicht sichergestellt ist?
Dr. André Schneider: Es gibt auch viele etablierte Dienste. Natürlich haben wir Interesse daran, dass bewährte, aber auch neue Angebote langfristig angeboten werden. Auf der anderen Seite wird die Dynamik insofern gewährleistet, als dass der Kunde die Attraktivität der Inhalte über seine Nutzungsintensität selbst beurteilt.
DF: Wagen wir einen Blick in die Zukunft: Was wird Ihrer Meinung nach bei Fernsehern mit Internetanschluss technisch möglich sein? Welche Innovationen werden auf diesem Sektor die nächsten Jahre prägen?
Dr. André Schneider: Durch ansteigende Bandbreiten der Internetanschlüsse, Effizienzen bei Kodierungsverfahren und Chiptechnologien sowie wachsenden Speichergrößen werden hochauflösende (HDTV) und individuelle Dienste (VoD) ermöglicht.
DF: Herr Dr. Schneider, vielen Dank für das Gespräch. [cg]
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