
Köln – Zu Schleichwerbung, Verringerung der Zahl der Landesmedienanstalten und digitaler Grundversorgung wurde zum Auftakt des 17. Medienforums NRW heftig diskutiert.
WDR-Intendant Fritz Pleitgen und sein ZDF-Kollege Prof. Markus Schächter freuten sich über die vom zur der Eröffungsrede von Ministerpräsident Jürgen Rüttgers geäußerten Bekenntnis zum „unentbehrlichen“ öffentlich-rechtlichen Rundfunk samt Bestands- und Entwicklungsgarantie sowie der Zusage, es müsse auch eine digitale Grundversorgung garantiert werden. Jürgen Doetz, Präsident des Verbandes Privater Rundfunk und Telekommunikation (VPRT), mahnte, die vom Ministerpräsidenten vorgeschlagene einheitliche Regulierung klassischer Rundfunkprogramme und moderner Mediendienste dürfe nicht bedeuten, dass die bestehende Rundfunkaufsicht in aller Strenge auch auf neue digitale Dienste angewendet werde.
Rüttgers’ Plädoyer, die deutsche Medienordnung müsse transparenter und die Aufsichtsgremien sollten auf wenige konzentriert werden, nahm Hubertus Meyer-Burckhardt, Vorstandsmitglied der ProSiebenSat.1 Media AG, zum Anlass für einen eigenen Reformvorschlag: Würde die Zahl der Landesmedienanstalten bundesweit auf vier reduziert, rechnete er vor, ließen sich jährlich etwa 70 Millionen Euro einsparen, die zurzeit über die Rundfunkgebühr finanziert werden. Der eingesparte Betrag lasse sich schließlich in die Kassen von ARD und ZDF umleiten und die öffentlich-rechtlichen Programme könnten im Gegenzug auf Sponsoring-Einnahmen verzichten, argumentierte Meyer-Burckhardt. Nutznießer seien schließlich auch die privat-kommerziellen Anbieter von TV- Programmen, die dann die Sponsoring-Gelder allein für sich verbuchen könnten. Pleitgen und Schächter wehrten sich gegen solche Modelle energisch. Ohne Sponsoring-Verträge seien Sportrechte künftig nicht mehr zu finanzieren, protestierten sie.
Äußerst kontrovers stritten die Diskussionsteilnehmer auch angesichts der jüngsten Fälle von Schleichwerbung in öffentlich-rechtlichen Fernsehprogrammen. WDR-Intendant Pleitgen nannte den Bavaria-Fall, bei dem an die öffentlich-rechtliche Produktionsfirma Gelder für die Platzierung von Werbebotschaften flossen, eine „hochpeinliche Angelegenheit“. Zugleich versprach er, ähnliche Vorfälle werde es dank eines neuen Maßnahmenkatalogs und strengerer Programmkontrolle künftig nicht mehr geben. Premiere-Chef Dr. Georg Kofler konterte: „Wenn Sie das bei der Bavaria jahrelang nicht bemerkt haben, wie wollen sie das dann künftig ausschließen?“ VPRT-Präsident Doetz sah in dem Schleichwerbung-Vergehen ein weiteres Argument dafür, dass sich ARD und ZDF komplett von kommerzieller Werbung verabschieden müssten. Pleitgen und Schächter konterten, neue Werbeformen würden der privaten Konkurrenz immer mehr Spielräume eröffnen, ohne Werbung oder kommerzielle Kooperationsformen könnten öffentlich-rechtliche Anbieter deshalb nicht dauerhaft im Wettbewerb bestehen.
Das vom 3. bis 5. Juli auf der Koelnmesse in Köln stattfindende 17. Medienforum NRW, Europas größter Medienkongress, bietet Medienschaffenden und Kreativen die Möglichkeit, sich über aktuelle Entwicklungen zu informieren und auszutauschen. [mg]
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