
Tübingen/ Istanbul – Eine Studie mit vollkommenen Film-Neulingen hat nun belegt, welche filmischen Stilmittel und Szenenabfolgen von erwachsenen Film-Neulingen verstanden werden – oder auch nicht.
Für eine Studie konfrontierten deutsche und türkische Forscher Menschen in einer abgelegenen türkischen Bergregion erstmals mit bewegten Bildern. Dabei zeigte sich laut Mitteilung des Instituts für Wissensmedien (IWM), dass auch der Umgang mit bewegten Bildern gelernt werden muss. Die Wissenschaftler wollten mit ihrem Experiment ermitteln, ob das Medium Film aus sich selbst heraus verständlich ist.
Die 20 Teilnehmer aus abgelegenen Bergdörfern im Süden der Türkei hatten nie zuvor einen Film oder eine Videosequenz gesehen und bekamen für die Studie eine Reihe kurzer Filmclips zu sehen. Die Clips enthielten filmtypische Darstellungsmittel wie den Wechsel der Kameraperspektive während eines Gesprächs, eine Ereigniszusammenfassung mit einem Zeitsprung oder auch die Betrachtung eines Geschehens aus dem subjektiven Blickwinkel des Protagonisten. Zu den Anfängen des Kinos hieß es noch, die ersten Besucher seien aus ihrem Sessel aufgesprungen, weil sie Angst hatten, aus der Leinwand würde eine Eisenbahn auf sie zufahren. Bei der Studie mit Film-Neulingen fanden die Forscher keine Hinweise darauf, dass die Filme von den Zuschauern mit der Realität verwechselt wurden.
Die Ergebnisse der Studie würden vielmehr belegen, dass für die Verständlichkeit der Filme das Vorhandensein einer vertrauten Handlung entscheidend ist. Ohne einen Handlungsfaden – in den Beispielfilmen die Zubereitung von Tee und Mahlzeiten oder der Bau eines Holzzauns – hatten die Film-Neulinge große Schwierigkeiten, filmtypische Darstellungsmittel angemessen zu interpretieren. Nach Ansicht der Forscher entkräftet Studie somit die populäre Annahme, dass Filmschauen der natürlichen Wahrnehmung so ähnlich sei, dass es ohne Vorkenntnisse stattfinden könnte. [cg]
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