
Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) hat an den öffentlich-rechtlichen Rundfunk appelliert, mehr für den Dokumentarfilm zu tun. Er stößt sich dabei inbesondere an den oft unpopulären Sendeplätzen zu nächtlicher Stunde.
Die späten Ausstrahlungszeiten hatte zuvor bereits Thomas Frickel, geschäftsführender Vorsitzender der AG Dok, kritisiert. In einem Interview mit DIGITALFERNSEHEN.de sagte er: „Je später die Ausstrahlung, desto rapider sinkt die Zuschauerbeteiligung und damit die Reichweite“. Auch die schlechte Bezahlung prangerte Frickel an. „Nichts ist so schlecht bezahlt, wie kreative dokumentarische Leistung“, erklärte er. Die Sender bezahlten inzwischen nicht einmal das, was der Film koste, sicherten sich aber gleichzeitig die Rechte für alle Übertragungswege (DIGITALFERNSEHEN.de berichtete).
Das Leipziger Festival DOK wirft in diesem Jahr einen besonderen Blick auf den Arabischen Frühling. „Wir haben aus den aktuellen Filmen die besten aus der arabischen Welt ausgewählt, die diese Revolutionen und Umbrüche dokumentieren und auch den Weg dorthin zeigen“, kündigte Festivaldirektor Claas Danielsen an.
Neumann sagte bei der Eröffnung des Dok-Festivals, er erwarte, dass die öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalten die finanziellen Mittel für die von ihnen koproduzierten künstlerischen Dokumentarfilme zur Verfügung stellten und damit ihrem besonderen kulturellen Auftrag gerecht würden.
„Es geht nicht an, dass notwendige Recherchen von den Sendern oft überhaupt nicht mehr bezahlt und auf die Schultern engagierter kleiner und mittelständischer Produzenten abgewälzt werden“, sagte er in einer vorab veröffentlichen Pressemitteilung vor der Eröffnung des 54. Internationalen Festivals für Dokumentar- und Animationsfilm DOK in Leipzig. Völlig inakzeptabel sei zudem, dass Dokumentarfilme auf ungünstige Sendezeiten – zum Teil um Mitternacht – oder in Spartenkanäle abgeschoben würden. [dpa/ar/su]
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