
Hamburg – Der Betriebsrat des Nachrichtensenders N 24 hat sich fürs Erste gegen einen Verkauf des Nachrichtensenders an das eigene Management ausgesprochen.
In einer E-Mail an Mitarbeiter und den Pro-Sieben-Sat-1-Vorstand lehnt der Betriebsrat einen Verkauf an Dritte, auch an das Management, ab und fordert den Verbleib des Kanals im TV-Konzern, berichtet das Nachrichtenmagazin „Spiegel“.
Zur Begründung heißt es, der Betriebsrat habe bisher nur unzureichend Kenntnis über das Konzept im Fall des Verkaufs bekommen. Die Angst sitzt dem Blatt zufolge tief, dass N 24 und seine Nachrichtenproduktion außerhalb des TV-Konzerns schwerer überleben könnten. Bisher gilt das Management um Senderchef Torsten Rossmann zusammen mit Ex-Spiegel-Chefredakteur Stefan Aust als aussichtsreicher Kandidat. Sie setzen darauf, künftig nicht mehr nur Pro-Sieben-Sat-1 mit News zu beliefern, sondern auch andere Sender.
Offenbar schätzt der Betriebsrat die Chancen für solche Drittgeschäfte laut „Spiegel“ aber pessimistischer ein und fürchtet, dass die Mitarbeiter etwa im Falle einer späteren Pleite finanziell schlechter dastünden als bei einer Entlassung im Rahmen des zwei Jahre laufenden Sozialplans von Pro-Sieben-Sat-1. Der Verbleib von N 24 im Konzern würde freilich ebenso viele Jobs kosten wie ein Verkauf ans Management. Von den etwa 210 Vollzeitstellen würden wohl in beiden Fällen knapp 100 abgebaut. Nach früheren Berechnungen verlöre etwa die Zentralredaktion die Hälfte der rund 70 Kollegen, die Parlamentsredaktion drei Viertel.
Zu den weiteren Interessenten für N 24 gehört neben dem TV-Produzent Jan Mojto (mit Spiegel TV als Nachrichtenlieferant) auch der russische Investor Dmitrij Lesnewski, der gerade seinen strauchelnden deutschen Sender Das Vierte verkauft hat und sich dadurch bessere Chancen bei N 24 erhofft. Lesnewski hat für N 24 eine Arbeitsplatzgarantie abgegeben, die offenbar zwei Jahre gilt und mit einer Bankbürgschaft abgesichert sein soll. Allerdings ist offen, ob der Konzernvorstand an die Nachhaltigkeit der russischen Offerte glaubt. Bis zur Hauptversammlung am 29. Juni soll die Entscheidung fallen. [fp]
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