
München – Verdrängen nicht-lineare Formen des TV-Konsums – wie Video-on-Demand oder Online-Videotheken – das klassische lineare Fernsehen?
Mit dieser Frage beschäftigten sich Experten im Rahmen der Medientage München bei einer Diskussion, die gemeinsam mit Siemens organisiert wurde. Die Antwort: Lineares TV wird auch künftig einen großen Teil der Zuschauer erreichen. Dennoch ist die Entwicklung vom (passiv genutzten) Lean-back-TV zum (aktiv genutzten) Lean-forward-TV nicht aufzuhalten.
Harald Greiner, Director Business Development Media bei Siemens z.B., prognostizierte in seiner Einführung, dass lineares Fernsehen bei Live-Events seinen Stellenwert behalten werde, bei sonstigen Angeboten jedoch an Reichweite verlieren werde.
Robert Amlung, Bereichsleiter Digitale Strategien beim ZDF, konstatierte einen kontinuierlichen Trend der Fragmentierung des Publikums. „Außer ‚Wetten dass..?‘ gibt es wenig Programmformate, bei denen generationsübergreifend Zuschauer erreicht werden. Für viele passt das nicht-lineare Modell besser in den persönlichen Zeitplan, und für diese Gruppen müssen wir auch als Öffentlich-Rechtliche ein Angebot bieten“, sagte der Programmexperte.
Deutlich entspannt blickte Kai Blasberg auf die aktuelle Diskussion: „Ich halte das alles für nicht so dramatisch. Es kommen neue Vertriebswege hinzu, aber dass jeder sein eigener Programmdirektor sein will, das halte ich für totalen Blödsinn“, formulierte der Geschäftsführer von Tele 5 TM-TV pointiert. Es kämen zwar beim nicht-linearen Fernsehen einige Funktionen hinzu, aber in den nächsten zwanzig, dreißig, vierzig Jahren werde man „ganz klassisch mit der Liebsten im Arm vor dem Fernseher liegen“, zeigte er sich vom Bestand des klassischen TV-Systems überzeugt. [mw]
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