Die kostenpflichtige Online-Videothek „Germany’s Gold“ von ARD und ZDF will Mitte 2012 an den Start gehen. Vorher muss allerdings das Kartellamt grünes Licht geben. Ursprünglich sollte der Dienst bereits im Dezember diesen Jahres verfügbar sein.
Nach Aussage von Michael Loeb, Geschäftsführer der kommerziellen ARD-Tochter WDR Mediagroup, die zu den Initiatoren der Plattform gehört, soll „Germany’s GHold“ TV-Inhalte aus den vergangenen 50 Jahren sowie Kinofilme umfassen. Das erklärte Loeb am Mittwoch gegenüber dem Branchenmagazin „W&V“ (aktuelle Ausgabe). Damit Nutzer leichter durch das Angebot navigieren können, würden die Inhalte in Genres wie Filme, Serien, Dokumentationen, Wissen, Kultur und Ratgeber eingeteilt.
Bisher planen die Betreiber, sich mit Abo- und Download-Modellen sowie alternativ durch Einblendung von Werbeunterbrechungen zu refinanzieren. Ende April hatten die öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten erstmals Überlegungen für ein gemeinsames Programmarchiv im Internet bestätigt. Die bereits im August öffentlich gewordene Verzögerung des Starts ist Spekulationen zufolge auf Verhandlungen mit weiteren Partnern und Inhaltelieferanten zurückzuführen.
17 Anbieter, darunter kommerzielle Tochtergesellschaften öffentlich-rechtlicher Sender wie die WDR Mediagroup und private Produktionsgesellschaften wie Brainpool („TV Total“) bereiten derzeit Inhalte für „Germany’s Gold“ auf. Nach Angaben von Loeb werde unter anderem das gesamte Programmarchiv des WDR von einem Industrieroboter digitalisiert.
Das Projekt ist nicht unumstritten, da kommerzielle Aktivitätenöffentlich-rechtlicher Sender in der rechtlichen Grauzone anzusiedelnsind. Mit ZDF Enterprises und der WDR Mediagroup übernehmen deshalb auchdie beiden Tochtergesellschaften die Federführung, die nach Regelungendes Rundfunkstaatsvertrages als einzige privatwirtschaftlich im Markttätig werden dürfen.
Der CDU/CSU-Medienexperte Thomas Jarzombek hatte die Pläne für „Germany’s Gold“ im Gespräch mit DIGITAL FERNSEHEN massivkritisiert. Im Rundfunkstaatsvertrag sei für ARD und ZDF klarfestgeschrieben, dass Werbung und Sponsoring im Telemedien-Bereich,unter den auch Online-Angebote fallen, nicht zulässig seien, sagteJarzombek. [rh]
Bildquelle:
- Medien_Maerkte_Artikelbild: © Phongphan Supphakank - Fotolia.com