
London/Los Angeles – Dem Verschlüsselungsanbieter NDS wird vorgeworfen, die Nagravision-Verschlüsselung in den USA mithilfe von Hackern geknackt und dann die sensiblen Daten der Smartcards an Piraten weitergegeben zu haben.
In der DIGITAL FERNSEHEN vorliegenden Klageschrift des US-amerikanischen Pay-TV-Anbieters Echostar wird der Murdoch-Tochter vorgeworfen, seit 1996 gezielt Hacker auf die Verschlüsselung der Dish-TV-Plattform angesetzt zu haben, um die eigenen Sicherheitsprobleme zu kaschieren.
Als Kläger tritt auch der Verschlüsselungsanbieter Nagrastar auf, der aus einem Joint Venture zwischen Echostar und der Schweizer Kudelski-Gruppe hervorgegangen ist. Insgesamt geht es um Schadensersatzforderungen in Höhe von rund einer Milliarde US-Dollar. Der Fall wird am 8. April in Los Angeles verhandelt.
Die Klageschrift liest sich streckenweise wie der Entwurf eines Thrillers. Zuerst soll NDS die „weltweit berüchtigsten Hacker“ angeheuert zu haben, um im ersten Schritt die Angriffe auf das eigene Verschlüsselungssystem unter Kontrolle zu bringen. Seit 1995 war die damalige NDS-Verschlüsselung zunehmend anfällig geworden, was letztlich das Murdoch-System bei seinem Kunden DirecTV in massiven Erklärungsnotstand brachte.
Letztlich wurde der Druck wohl so hoch – argumentieren zumindest die Kläger – dass die NDS-Führung sich entschlossen habe, die Hacker auf die Konkurrenz anzusetzen. Dabei berufen sich Echostar und Nagrastar auf eine Sammlung interner NDS-Papiere und -Emails, die in ihrem Besitz sind. Die Kläger glauben beweisen zu können, dass NDS einen Piratenring organisiert und unterstützt hat, der in Kanada seit Anfang 1999 illegale Echostar-Piratenkarten vertrieben hat.
Letztlich habe sich NDS, so die Anklage, entschlossen, Hackern ein zweifelhaftes Weihnachtsgeschenk zu machen: Am 21. und 24. Dezember 2000 erschien die Anleitung, wie man an die ROM- und EEPROM-Codes der Nagravision-Smartcards kommt auf einer Hacker-Seite.
„Die Anschuldigungen haben keinen Wahrheitsgehalt“, widersprach ein NDS-Sprecher in einem allgemeinen Statement den Vorwürfen gegenüber DF. Der Sprecher wollte auch nach wiederholter Nachfrage nicht im Einzelnen auf die in der Klage erhobenen Vorwürfe eingehen. Spätestens der am 8. April beginnende Prozess dürfte „Licht in die Angelegenheit“ bringen, wie auch der Vice President der Kudelski-Gruppe Rodolfo Ciucci hofft. [lf]
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