
Hamburg/Mainz – Medienberichtzen zufolge will Bundeskanzlerin Merkel den ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender loswerden – in der CDU-Parteispitze gilt er als „zu undiplomatisch“.
Dies berichtet das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“. „Die ganze Sache liegt in der Person Brender begründet, nicht in seiner politischen Einstellung“, sagte ein der Parteispitze Vertrauter dem Magazin. Brender sei zu undiplomatisch. Mit anderen, ebenfalls als SPD-nah eingestuften Top-Journalisten der öffentlich-rechtlichen Anstalten habe man weniger Probleme.
Sowohl Ulrich Deppendorf, Leiter des Hauptstadtstudios der ARD, wie sein ZDF-Kollege Peter Frey hielten sich „an die Spielregeln“. Brender dagegen sei „unberechenbar“, berichtet „Der Spiegel“.
Seit Wochen wird über den Posten des ZDF-Chefredakteurs heftig gestritten. ZDF-Intendant Markus Schächter möchte Nikolaus Brender gern als Chefredakteur weiterverpflichten, wenn dessen Vertrag 2010 ausläuft. Doch die konservative Mehrheit im ZDF-Verwaltungsrat will Brender nicht mehr. Zwar liegt die Verantwortung für die Besetzung des Chefpostens laut ZDF-Staatsvertrag beim Intendanten, dieser soll sie jedoch „im Einvernehmen mit dem Verwaltungsrat“ treffen (DIGITAL FERNSEHEN berichtete).
Hessens Ministerpräsident Roland Koch (CDU) ist auch stellvertretender Vorsitzender des Verwaltungsrates. In einem Interview mit der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ hatte Koch Anfang der Woche klar Position gegen Brenders Weiterbeschäftigung bezogen. Kochs Begründung zielte allerdings auf angeblich mangelnden Erfolg der ZDF-Informationssparte ab – mit teilweise äußerst fadenscheinigen Argumenten.
„Im ZDF-Verwaltungsrat sitzt auch der Merkel-Vertraute und Ex-CDU-Bundesgeschäftsführer Willi Hausmann. Aus der Bundes-CDU heißt es, dass es Brender aus ihrer Sicht mit seinem öffentlich-rechtlichen ‚Katholizismus‘ übertrieben habe, schreibt „Der Spiegel“.
Das ehemalige Mitglied im ZDF-Verwaltungsrat, der Verfassungsrichter a. D. Dieter Grimm, kritisierte hingegen die Aufsichtsgremien. „Es ist ein Fehler, dass gerade die außerparteilichen Vertreter nicht unabhängig bleiben“, sagte er dem Magazin. „So haben die Parteien leichtes Spiel.“
Der ehemalige WDR-Chef Fritz Pleitgen sagte laut „Spiegel“: „Das hat mit Staatsferne nichts mehr zu tun. Das ist ein Fall für das Verfassungsgericht.“[mg]
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