
Leipzig – Der frühere RTL-Chef Helmut Thoma vergleicht den Medienhype und die Reaktionen auf die umstrittene Serie „Erwachsen auf Probe“ mit einem blutigen Steak, das in einen Hundezwinger geworfen wird.
Wie er in einem Interview mit dem „Tagesspiegel“ erklärt, seien derartige Reaktionen „vor allem sehr vorhersehbar, das war schon bei ´Big Brother` oder ´Tutti Frutti`“ so. Derartige Aufregung bereits im Vorfeld einer neuen Sendung sei zudem „für die Sender sehr nützlich. Die Aufmerksamkeit, die so erzeugt wird, könnte man mit einer Riesenwerbekampagne nie erreichen.“
Offen bekennt Thoma gegenüber dem Blatt, solche Methoden einst selbst zu seiner Zeit als RTL-Geschäftsführer „sehr bewusst eingesetzt“ zu haben. Allerdings bezeichnet er rückblickend seine Tabubrüche als durchweg harmlos. „Aber sie haben immer riesige Kampagnen ausgelöst. Das ist so, wie wenn man ein blutiges Steak in einen Hundezwinger wirft“.
Nach Meinung des RTL-Pioniers ist die völlig überzogene Kritik an dem neuen Format sehr deutsch. „Erst wenn sich der letzte Vorsitzende des Landschildkrötenverbandes Nordrhein-Westfalen gemeldet hat, ist die Welle durch. Jeder weiß, dass er Teil einer Kampagne ist, macht aber trotzdem mit“.
Zudem kritisiert er gegenüber dem „Tagesspiegel“ erneut den öffentlich-rechtlichen Rundfunk, der Thoma zufolge die Aufgabe besitze, Lebenshilfe zu geben, momentan diese Aufgabe allerdings vernachlässige. Ein Format wie „Raus aus den Schulden“ gehöre seiner Meinung nach ins öffentlich-rechtliche Fernsehen. „Der öffentlich-rechtliche Rundfunk hätte dort schon längst einsteigen müssen, um solche Lebenshilfe anzubieten. Das muss in einer populären Form erfolgen, nur so erreicht man die Leute.“[cg]
Bildquelle:
- Medien_Maerkte_Artikelbild: © Phongphan Supphakank - Fotolia.com