Dass RTL mit seinen Castingsshows Thomas Gottschalk und dem Kult-Format „Wetten, dass..?“ Konkurrenz gemacht hat, stört den Entertainer nicht. Die Aufteilung der Zuschauer in „werberelevant“ und „nichtwerberelevant“ schon.
„Ein bescheuerter Dreiundzwanzigjähriger ist ‚werberelevant‘, auch wenn er nichts begreift, längst eingepennt ist oder nebenbei twittert. Ein Akademiker über fünfzig, der mit einem elfjährigen Sohn zuschaut, wird überhaupt nicht zur Kenntnis genommen“, beschwert sich Thomas Gottschalk in einem Interview mit der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ am Dienstag. Der 60-Jährige wird am kommenden Freitag mit dem Grimme-Preis für sein Lebenswerk ausgezeichnet. Anlässlich der Auszeichnung spricht der Entertainer über seine Zukunft nach „Wetten, dass..?“ und seine beruflichen Anfänge als Moderator beim Bayerischen Rundfunk.
Zum Missfallen seiner Mutter habe Gottschalk nach der Schule beim BR angefangen. Zuerst sei er dort nur einer von vielen gewesen, die sich mal als DJ betätigen durften und dann wieder Verkehrsmeldungen oder Nachrichten lesen mussten. „Ich habe mich bei all diesen Tätigkeiten wiederholt danebenbenommen und bin mehrfach vom damaligen Programmdirektor Udo Reiter deswegen zusammengefaltet worden“, siniert der Showmaster und fügt an, dass ihm jedes Mal gesagt wurde, er solle sich zusammenreißen, weil Reiter ihn unbedingt behalten wollte. „Wenn der nicht seine Hand über mich gehalten hätte, wäre ich in der öffentlich-rechtlichen Wüste früh verhungert“.
Gottschalk habe den Umbruch im Radio nicht nur miterlebt, sondern auch mit angeschoben. Damals sei die Nation noch geschlossen zur „Tagesschau“ vor dem Fernseher zusammengekommen, und habe danach „Der Kommissar“ oder Friedrich Nowottny gesehen. Der Entertainer habe sich dann bewusst eine tägliche Radioshow um zwanzig Uhr geangelt, da ihn dort keiner beaufsichtigte, weil auch seine Vorgesetzten ferngesehen hätten.
Innerhalb kürzester Zeit hätten ihn alle Jugendlichen von Leipzig bis kurz Stuttgart gekannt. Einmal habe Gottschalk die Fronleichnamsprozession umgeleitet, und der Intendant hat eine Beschwerde vom Kardinal bekommen. „Heute ist der eine tot und der andere Papst“.
Weil er sich während seiner Zeit beim ZDF-Erfolgsformat „Wetten, dass..?“ nicht anstrengen musste, sei der Moderator heute so ausgeruht. Über viele jahre habe erfür eine Sendung nur irgendwelche Spinner, die was Verrücktes konnten, und ein paar Prominente, die darauf gewettet haben, gebraucht und die anderen Sender hätten „die weiße Fahne geschwenkt“. Das Format reichte für vierzehn Millionen Zuschauer. „Bei Michael Jackson waren es achtzehn und bei Gorbatschow und Schwarzenegger sechzehn Millionen“.
Auf die Frage, ob er sich nun einem reiferem Publikum zuwenden wolle – denjenigen, die noch alle vier Beatles beim Namen nennen können – erzählte der TV-Entertainer lieber von einer Geburtstagsparty von der Witwe von Roy Orbison, auf der Jeff Lynne vom „Electric Light Orchestra“ neben Eric Idle von den „Monty Pythons“ und Ringo Starr an einem Tisch saßen. „Den Abend hätte man live senden können. Das war ein Kindergeburtstag mit Erwachsenen, die allerdings fast alle selbst Kinder großgezogen haben“. Die Partystimmung habe angeblich von alberner Tischgesänge über ernsthafte Diskussionen bishin zu grandiosen Stories gereicht. Gottschalk betonte: „So stelle ich mir übrigens Unterhaltungsfernsehen vor. Es muss doch irgendwas geben, das vom Anspruch her zwischen der F.A.Z. und ‚Bauer sucht Frau‘ liegt“.
Nach Amerika zurückgezogen habe der TV-Moderator sich, weil doch einige notorische Miesmacher in Deutschland am Werke sein. Wer Selbstbewusstsein und gute Laune für seinen Job brauche, werde hierzulande von den Medien damit nicht verwöhnt. Die Leichtigkeit in Ausführung und Bewertung von Showbusiness dort habe seiner Seele gutgetan, sagt der Entertainer. „Guttenberg wäre in den Vereinigten Staaten noch voll auf Präsidentenkurs. Seine Doktorarbeit wäre denen sonstwo vorbeigegangen. Mit der falschen Frau hätte er sich allerdings nicht erwischen lassen dürfen“.
Der Moderator wisse, dass er das Elend der Welt nicht wegmoderieren könne, sein Publikum wenigstens so weit zu lockern, dass es den Schrecken des Alltags wieder etwas entspannter ins Auge blicken kann, wolle er trotzdem versuchen. Zum Grimme-Preis hatte er dann doch noch zwei Bemerkungen zu machen. Zum einen sei die Auszeichnung eine Art akademische Anerkennung, über die sich all die Kritiker ärgern, die ihm immer wieder unterstellt haben, er sei schwachsinnig. Zum anderen befürchte Gottschalk, dass er die Auszeichnung erhalten habe, „weil es in meinem Gewerbe um mich herum doch eher etwas düster geworden ist“.
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