
Leipzig – Über das derzeit stark diskutierte Verbot von Sponsoring im Programm von ARD und ZDF sprach DIGITAL FERNSEHEN mit Peter Boudgoust, dem amtierenden ARD-Vorsitzenden und Intendant des Südwestrundfunks (SWR).
„Sponsoring ist aus gutem Grund Teil der Mischfinanzierung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, denn es entlastet die Gebührenzahler. Ein Verbot von Sponsoring nach 20 Uhr würde deshalb im wahrsten Sinne des Wortes auf deren Kosten gehen“, sagt – wie auch das ZDF – der amtierende ARD-Vorsitzende, Peter Boudgoust, im DF-Interview.
DIGITAL FERNSEHEN: Auf dem Symposium der Landesmedienanstalten kündigte Martin Stadelmaier, der Chef der rheinland-pfälzischen Staatskanzlei und Mitglied der Rundfunkkommission der Länder, an, das Sponsoring im Programm von ARD und ZDF ab der nächsten Gebührenperiode 2013 werktags ab 20 Uhr und an Sonn- und Feiertagen ganz verbieten zu wollen. Was ist Ihre Meinung zu diesem Vorschlag?
Peter Boudgoust: Sponsoring ist aus gutem Grund Teil der Mischfinanzierung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, denn es entlastet die Gebührenzahler. Ein Verbot von Sponsoring nach 20 Uhr würde deshalb im wahrsten Sinne des Wortes auf deren Kosten gehen. Die meisten Zuschauer übrigens empfinden Sponsoring nicht als störend. Insoweit erschließt sich mir der Sinn eines Verbotes nach wie vor nicht. Ich glaube auch nicht, dass ein Verbot den Interessen der kommerziellen Konkurrenz zugute kommt.
Es führt auf deren Seite ja nicht automatisch zu Einnahmezuwächsen. Und so schlecht, wie es mitunter absichtlich behauptet wird, geht es ihnen gar nicht; die RTL-Gruppe hat gerade einen Rekordabschluss für das Jahr 2008 vermeldet und die aktuellen finanziellen Probleme von Pro Sieben Sat 1 sind vor allem hausgemachte Probleme, die auf Entscheidungen des Managements beruhen.
DF: Welche Konsequenzen ziehen Sie aus diesem Vorschlag?
Boudgoust: Wenn die Politik die seit Jahrzehnten gültige Erlaubnis nun zurücknehmen möchte, dann müssen wir das akzeptieren.
DF: Medienberichten zufolge fordert das ZDF, Einnahmeausfälle im Falle eines Verbots durch entsprechende Gebührenerhöhungen auszugleichen. Was fordert die ARD?
Boudgoust: Es wird nicht ohne eine Kompensation der Ausfälle gehen und es darf nicht zu einer Beschädigung unserer Wettbewerbsfähigkeit beim Erwerb von großen Sportrechten führen. Bei Übertragungsrechten für große Sportveranstaltungen sind Sponsoring-Verpflichtungen fast immer conditio sine qua non.
DF: Halten Sie die Forderung des ZDF für politisch und gesellschaftlich vermittelbar?
Boudgoust: Eine offizielle Stellungnahme des ZDF ist mir nicht bekannt.
DF: Herr Boudgoust, vielen Dank für das Interview. [ar]
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