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Nachdem der Online-Gigant Amazon seine Marktmacht in Deutschland in den letzten Jahren bedeutend ausbauen konnte, zieht er den deutschen Herstellern der angebotenen Produkte nun die Daumenschrauben an. Wie Experten berichten, trimme Amazon sein Unternehmen auf Profitabilität und trage diese Umstrukturierung auf dem Rücken der Händler aus.
Die letzten Jahresgespräche zwischen Amazon und seinen Herstellern seien „katastrophal“ verlaufen – so berichtete der E-Commerce-Experte Alexander Graf jetzt dem „Wall Street Journal“. Amazon trimme das Geschäft seit über einem Jahr konsequent auf Profitabilität und setze im Zuge dessen die Hersteller unter Druck, um die Marge zu erhöhen. Dies bestätigten verschiedene Händler und Hersteller. Aktuell schätzen Experten den Umsatzanteil, der in Deutschland derzeit auf Amazon zurückgeht, auf rund fünf Prozent.
Amazon soll die Unternehmen zuerst mit besonders günstigen Konditionen auf seine Plattform gelockt haben und ziehe nun seit etwas über einem Jahr kräftig die Daumenschrauben an. So zahlen die Hersteller zum Beispiel für den „Service“, ihre Artikel mit mehr als nur Fotos und Text zu bewerben, derzeit eine Jahrespauschale von bis zu 60 000 Euro. Dies berichteten Hersteller und Experten jetzt einstimmig. Wer auf diese Ausgaben lieber verzichten möchte, hätte es schwer, da eine schlichte Darstellung des Produktes zu weniger Verkaufszahlen führe.
In Amazons neuem Kurs spiegele sich die gestiegene Marktmacht wieder, zu der es das amerikanische Unternehmen in Deutschland gebracht hat – so E-Commerce-Berater Markus Fost. Und diese Macht spiele Amazon nun auch aus. Wie bereits in den USA, hat das Unternehmen nun auch in Deutschland damit begonnen, den Kunden bei margenschwachen Produkten Alternativen anzupreisen, an denen Amazon mehr verdient. Wie Fost weiter berichtet, geraten die Hersteller auch dadurch noch zusätzlich unter Druck, dass Amazon immer mehr Logistikzentren von Deutschland nach Osteuropa verlagert und mit einem Großteil der Hersteller vereinbart hat, dass diese die Kosten für den Transport tragen.
Kunden und Käufer dürften jedoch relativ wenig von dem Verhalten des Online-Riesen gegenüber seinen Herstellern mitbekommen. Für online-affine Käufer sei Amazon dank äußerst kulanter Garantie- und Rückgaberegelungen weiterhin eine gute Alternative.
[kh]
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