Wird Tiktok morgen in den USA abgeschaltet?

0
352
Fußball Tiktok

Nach einem US-Gesetz müsste Tiktok morgen in den USA abgeschaltet werden. Ob es wirklich so kommt, ist noch komplett offen.

Die Zitterpartie für Tiktok-Nutzer in den USA findet kein Ende. Das Weiße Haus signalisiert zwar, dass man auch nach Ablauf der von einem Gesetz festgelegten Frist am Sonntag kein Verbot durchsetzen wolle. Tiktok verlangt jedoch klare Garantien für die amerikanischen Service-Partner und will ansonsten selbst den Stecker ziehen. Dabei scheinen sowohl der scheidende Präsident Joe Biden als auch sein Nachfolger Donald Trump einen schlagzeilenträchtigen Blackout vermeiden zu wollen.

Hier alle unsere News zu Tiktok.

Wie kam es dazu, dass Tiktok in den USA am Sonntag das Aus droht?

Tiktok wird als Tochter des in China ansässigen Bytedance-Konzerns als Sicherheitsrisiko gesehen. Politiker und Experten warnen davor, dass die chinesische Regierung auf Daten von Amerikanern zugreifen und die öffentliche Meinung manipulieren könnte. Die Unternehmen weisen das zurück. Den US-Kongress überzeugte das aber nicht – und nach einem Gesetz musste sich Bytedance innerhalb von 270 Tagen von Tiktok trennen. Diese Frist läuft am Sonntag ab. Danach soll Tiktok aus den amerikanischen App-Stores von Apple und Google fliegen und den Zugang zu technischer Infrastruktur in den USA verlieren.

Dann geht Tiktok also am Sonntag in den USA offline?

Kann sein – oder auch nicht. Denn aus dem Weißen Haus von Joe Biden hieß es, man werde die Durchsetzung des Gesetzes Donald Trump überlassen, der am Montag als Präsident vereidigt wird. Das signalisierte, dass Verstöße von US-Partnern gegen das Gesetz vorerst nicht geahndet würden. Trumps Lager kündigte nicht näher beschriebene Maßnahmen an, dank denen die App vorerst für ihre 170 Millionen US-Nutzer verfügbar bleiben soll. Doch Tiktok will nun Zusicherungen an amerikanische Tech-Firmen, die sich klare Rechtssicherheit wünschen. Man kann sie verstehen: Laut Gesetz drohen Strafen von 5.000 Dollar pro aktivem Nutzer.

Was will Trump machen?

Der künftige Präsident will das in «nicht zu ferner Zukunft» verkünden. Bisher zeigte er sich überzeugt, dass er einen Deal erreichen könne, mit dem Tiktok in den USA verfügbar bleibt – und zugleich die Sicherheitsbedenken ausgeräumt werden. Das Gesetz spricht derweil eine klare Sprache: Tiktok kann in den USA nur mit einem Eigentümer weiter aktiv sein, der nicht einem gegnerischen Staat zugerechnet wird.

Wie viel Zeit hat Trump für eine Entscheidung?

Dem Gesetz zufolge kann der US-Präsident die Frist um weitere 90 Tage verlängern – eigentlich aber nur, wenn es aussichtsreiche Verkaufsgespräche gibt. Findet Trumps Lager einen anderen Weg, Zeit zu gewinnen? Wer weiß.

Wo sind die größten Knackpunkte?

Das größte Hindernis liegt im Algorithmus von Tiktok – der Software, die entscheidet, welches Video die Nutzer als Nächstes angezeigt bekommen. Bytedance will sich nicht davon trennen – und die Regierung in Peking müsste einer Weitergabe erst zustimmen. Außerdem sind die komplexen Algorithmen generell schwer zu durchschauen. Deshalb erscheint es vielen in den USA zu riskant, den aktuellen Tiktok-Algorithmus zu behalten. Stattdessen müsse er durch US-Software ersetzt werden.

Was kann das für einen Tiktok-Verkauf bedeuten?

Würde nur das US-Geschäft verkauft, gäbe es eine Trennlinie. Die Nutzer in den USA würden zwar die App behalten – aber wenn der Rest von Tiktok auf einer anderen technischen Plattform läuft, wären ihre Beiträge außerhalb des Landes vermutlich nicht mehr zu sehen. Wechselt Tiktok insgesamt den Besitzer, müsste der Käufer die Kompetenz haben, einen neuen technischen Unterbau für eine Online-Plattform mit mehreren Milliarden Nutzern aufzusetzen.

Wer kann so etwas?

Zuallererst natürlich der Facebook-Konzern Meta – der aber aus Wettbewerbsgründen ganz klar aus der Riege der potenziellen Anwärter fällt. Die Meta-Plattformen haben Milliarden Nutzer und mit Instagram ist direkte Konkurrenz für Tiktok darunter. Ansonsten brachte sich Milliardär Frank McCourt mit seinem «Project Liberty» in Stellung, wo schon seit mehreren Jahren ein technisches Protokoll für Social Media entwickelt wird. In der chinesischen Regierung soll derweil laut Medienberichten als eine Option ein Verkauf an den Tech-Milliardär und aktuellen Trump-Vertrauten Elon Musk erwogen worden sein. Die Idee dahinter: Musk könne Tiktok zusammen mit seiner Online-Plattform X, dem früheren Twitter, betreiben. Musk hat wirtschaftliche Interessen in China: Dort steht ein großes Werk des von ihm geführten Elektroauto-Herstellers Tesla.

Sollte Tiktok nun doch in den USA offline gehen, was bedeutet das für Nutzer anderswo?

Für sie wird die App wie bisher funktionieren. Aber: Auf die Plattform werden keine Clips aus den USA mehr kommen. Das könnte Tiktok weniger attraktiv für die Nutzer machen. Es kann aber auch eine Gelegenheit für Autoren aus anderen Ländern sein, die Lücke zu füllen und eigene Trends zu setzen.

Andrej Sokolow

Auch interessant:

Bildquelle:

  • Fussball Tiktok: © Melinda Nagy/stock.adobe.com, bloomicon/stock.adobe.com
0 Kommentare im Forum
Alle Kommentare 0 im Forum anzeigen

Kommentieren Sie den Artikel im Forum