Die Bremer „Tatort“-Kommissare sind ein eingespieltes Team, doch nun kommt eine neue Kollegin hinzu, die alles durcheinanderbringt. Dabei haben Lürsen und Stedefreund keine Zeit: Umweltterroristen bedrohen die Stadt und geben der Polizei nur wenige Stunden Zeit zu handeln.
Umweltterroristen bedrohen Bremen. Sie vergiften das Trinkwasser. 17 Menschen sterben – und es könnten noch viele mehr werden. Die Kommissare Inga Lürsen (Sabine Postel) und Stedefreund (Oliver Mommsen) ermitteln unter Hochdruck. Ihr neuster Fall „Der hunderste Affe“ spielt sich innerhalb weniger Stunden ab, doch die haben es in sich: Es geht um die Profitgier großer Konzerne, Vertuschung und Moral. Die Zuschauer erwartet am Pfingstmontag (20.15 Uhr) im Ersten viel Spannung und eine kleine Prise Erotik.
Alles beginnt mit einer E-Mail, die an einem Sonntagmorgen im Bremer Polizeipräsidium eingeht. Im Anhang: Fotos von 57 toten Afrikanern. Dazu die Forderung: Der Biochemiker Urs Renders soll aus dem Gefängnis freigelassen werden. 13 Stunden geben die Erpresser der Polizei dafür Zeit. Der Beweis, wie ernst sie es meinen, folgt kurz darauf. In einem Freibad läuft eine rote Flüssigkeit aus der Dusche. Eine Frau bricht zusammen und stirbt. Für Lürsen und Stedefreund beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit.
Schnelle Schnitte, rasante Kamerafahrten und das regelmäßige Einblenden der Uhrzeit – in seinem inzwischen elften „Tatort“ für Radio Bremen setzt Regisseur Florian Baxmeyer auf Tempo. „Wir wollten etwas ’24‘ kopieren“, sagt Postel in Anspielung auf die gleichnamige US-Serie mit Kiefer Sutherland. Nach und nach zeigt sich, worum es den Erpressern wirklich geht. Renders soll der Öffentlichkeit die Wahrheit über seine Forschung sagen: Der Wissenschaftler hatte eine Methode entwickelt, wie Pflanzen ohne Dünger und Pestizide auskommen und dabei sogar mehr Ertrag bringen. Sein Arbeitgeber, ein großer Saatgutkonzern, hält das jedoch unter Verschluss, weil er Milliarden mit genverändertem Saatgut und Pflanzenschutzmitteln verdient.
Das klingt unglaublich, ist in Teilen aber wahr. Ein Whistleblower aus der Pharmaindustrie und eigenen Recherchen haben Autor Christian Jeltsch auf die Idee gebracht. Das Ergebnis ist ein politischer Thriller, bei dem – typisch für die Bremer Ausgabe – der Plot und nicht die Kommissare im Vordergrund stehen. „Es wird so halt nicht langweilig“, meint Postel, die im kommenden Jahr 20 Jahre „Tatort“-Kommissarin feiert. „Man will nicht ständig jemanden zugucken, der seine privaten Neurosen pflegt.“
Ein wenig menschelnd geht es dann aber doch zu. Zwischen Stedefreund und der neuen Kollegin vom Bundeskriminalamt knistert es mächtig. Die rothaarige und langbeinige Linda Selb (Luise Wolfram) wirbelt auf gewöhnungsbedürftige Art die Bremer Ermittlungen durcheinander: Sie arbeitet lieber allein, ist schroff zu den Kollegen, wechselt ihr verschwitztes T-Shirt ohne Hemmungen vor deren Augen und hat nichts gegen amouröse Abenteuer nach dem Dienst. Fans der Krimiserie „Die Brücke“ wird sie damit stark an die schwedische Kommissarin Saga Norén erinnern.
Ob der Flirt unter Kollegen gut geht? Das lässt der „Tatort“ dieses Mal offen. Doch in der nächsten Ausgabe, die Ende Oktober ausgestrahlt werden soll, wird Linda Selb wieder mit von der Partie sein. „Die Geschichte wird weitererzählt“, verrät Mommsen.
[Irena Güttel/fs]
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