
München – Die Medienpädagogin Maya Götz hat vor Klischees und Stereotypen im Kinderfernsehen gewarnt. Dadurch würden Kinder zunehmend unter Druck gesetzt.
„Das Kinderfernsehen ist mit Stereotypen und Klischees überladen“, warnte die Medienpädagogin Maya Götz im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa. In Zeichentrickfilmen seien die meisten Familien wohlhabend, alle Kinder schlau und die Mädchen schön und schlank. Solche Klischees würden Kinder zunehmend unter Druck setzen.
Götz ist die Leiterin des 1964 ins Leben gerufenen Fernsehfestivals „Prix Jeunesse“, das sich für mehr Qualität im Kinderfernsehen einsetzt und noch bis 2. Juni in München stattfindet. Besonders erschreckend sei der Schlankheitswahn auf der Mattscheibe, alarmiert Götz: „Zwei von drei Mädchenfiguren im Fernsehen sind dünner als Barbie – und selbst ihre Figur könnte eine normale Frau nur haben, wenn man ihr eine Rippe entfernt. Die Mädchen wachsen mit einem Körperbild auf, das sie niemals erreichen können.“ Das belege die Studie „The global girl’s body“, für die 2008 die Körper von 102 Zeichentrick-Figuren vermessen wurden. So gebe es nur wenige Beispiele, bei denen die Mädchen in den Trickfilmen einen ganz normalen Körper haben. Als Positivbeispiel wird Bibi Blocksberg genannt. Die Figur Kim Possible fiel den Wissenschaftlern negativ auf. Selbst mit umfassenden Schönheits-Operationen könnten normale Mädchen so eine Figur nicht bekommen, heißt es in der Studie.
Nach Ansicht der Medienpädagogin ist auch die weiße, wohlhabende Mittelschicht im Kinderfernsehen „völlig überrepräsentiert“. Ein ähnlich unrealistisches Bild gilt ihrer Ansicht nach auch für Kinder mit Krankheiten und Behinderungen: Sie machten in der Realität rund zehn Prozent aus, kämen auf dem Bildschirm aber so gut wie nie vor.
Götz fordert mehr Vielfalt im Kinderfernsehen. Helden mit türkischen oder polnischen Wurzeln seien beispielsweise viel zu selten zu sehen. Auch die thematische Vielfalt müsse gestärkt werden. [cg]
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