
Berlin-Schöneberg: Auf den Straßen brennen Barrikaden, in den Gassen lungern Mittdreißiger herum und betteln. Krankenversicherung und soziale Absicherung hat hier keiner. Zukunftsvision? Dieser Frage stellt sich das ZDF am Dienstag um 20.15 Uhr mit der fiktiven Doku „2030 – Aufstand der Jungen“.
„Wir wollen aufrütteln“, sagte Regisseur Jörg Lühdorff am Dienstag im „Hamburger Abendblatt“ über die provozierende Zukunftsvision. In der fiktiven Reportage verknüpft er seriöse Prognosen über Deutschlands Altersstrukturen im Jahr 2030 mit einer fiktiven Intrige und einem horrorwürdigen Szenario: Armut, Parallelwelten, brennende Barrikaden, soziale Verkommung stehen der strahlenden Scheinwelt aus High Tech und Moderne gegenüber.
Die Dokumentation knüpft an den ZDF-Dreiteilter „2030 – Aufstand der Alten“ von 2007 an. Bereits diese sozialkritische Inszenierung beschäftigte sich mit dem Zusammenbruch der sozialen Sicherung und der Überalterung Deutschlands. Der Nachfolger „2030 – Aufstand der Jungen“, ebenfalls von Filmproduzentin Regina Ziegler entwickelt, dreht die Perspektive nun auf die junge Generation.
In einer fiktiven ZDF-Langzeitdoku werden zehn „Millenniumskinder“ von Kameras begleitet. Tim Burdenski, gespielt von Barnaby Metschurat, ist eines von ihnen. Doch im Gegensatz zu der glanzvollen Inszenierung im Fernsehen, lebt der junge Mann in Armut. Sein Stadtbezirk, das einst gutbürgerliche Schöneberg, ist zu einem „Höllenberg“ geworden – ein rechtsfreier Raum für Gestrandete; eine illegale Parallelwelt.
Nach seinem Tod durch eine Schusswunde stellt seine Kindheitsfreundin und ebenfalls „Millenniumskind“ Sophie Schäfer, gespielt von Lavinia Wilson, zusammen mit der Journalistin Lisa Bach, gespielt von Bettina Zimmermann, Nachforschungen an. Tim soll sich in das zentrale Computersystem der Regierung gehackt haben, dabei von der Polizei erwischt und angeschossen worden sein. So die offizielle Variante der Behörden. Doch die beiden Frauen glauben nicht daran, vermuten sogar, dass Tim noch lebt, und dringen in eine scheinbar andere Welt ein. Schöneberg gleicht einem Ghetto, Tim’s Elternhaus ist heruntergekommen, Rente, medizinische Versorgung und die Pflege sind unbezahlbar geworden.
Im Kontrast dazu porträtiert die 90minütige Doku „2030 – Aufstand der Jungen“ das Leben von Sophie Schäfer als eine, die es geschafft hat. Fernseher, Computer und Telefon sind per Heimnetzwerk miteinander verbunden, die Wohnung ist durchgestylt und Sophie ist immer adrett gekleidet. All das aufgebaut als fiktive Reportage, in der Lisa Bachmann alias Bettina Zimmermann als ZDF-Rporterin mit fiktiven Experten spricht und ein Sprecher durch die Doku führt.
Doch wie ernst kann man dieses Szenario nehmen? „Die aktuellen Fakten sprechen ja für sich“, sagte ZDF-Redakteur Heiner Gatzemeier gegenüber dem „Hamburger Abendblatt“, „wir überhöhen sie nur.“ Erst im vergangenen Jahr beherrschten die eskalierenden Anti-Atom-Proteste und Stuttgart 21 wochenlang die Medien. Ist das der Beginn der von Lühdorffs Zukunftsvision? Eine mögliche Antwort gibt es am Dienstag um 20.15 Uhr im ZDF. [js]
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