Es ist die patriotische Rede ihres Lehrers Kantorek, der die Jungen dazu bringt, sich freiwillig für den Kriegsdienst zu melden. Doch beim militärischen Drill angekommen, merken sie, dass hier ein anderer Ton angeschlagen wird. Sie selbst werden nur noch als Kriegs-Material angesehen, das in die richtige Form gepresst und an der Front verheizt wird. Aber auch jene, die den Granaten entkommen, gehören zur „verlorenen Generation“, da sie schreckliche Kriegstraumata erleiden.
Erich Maria Remarques Werk stellt bewusst einige Mechanismen des Krieges zur Schau – von der großen Kriegslust ebenjener, die gar nicht daran teilnehmen, bis hin zur alten Generation, die der Jugend Vaterlandsliebe und den Sinn zum Töten injiziert, als gäbe es keine Alternativen.
Lewis Milestone, der in den späteren Folgejahren unter anderem für Filmperlen wie „Les Miserables“, „Ocean’s Eleven“ und „Meuterei auf der Bounty“ verantwortlich zeichnete, schuf ein Mammutwerk, dass der Vorlage Remarques absolut gerecht wird. Für seinen Hauptcharakter gewann er den jungen Lew Ayres, der bereits in „Der Kuss“ an der Seite der wundervollen Greta Garbo spielte.
Allerdings stahl ihm einer seiner Schauspielkollegen die Show: Louis Wolheim stellte den kriegserfahrenen Kat als solch glaubwürdige Vaterfigur dar, dass er dafür eigentlich einen Oscar verdient hätte. Jene Auszeichnung bekam „Im Westen nichts Neues“ hingegen für die beste Regie sowie als bester Film im Jahre 1930. In einigen Ländern verboten
Und diese Preise waren keineswegs unverdient, denn Milestone hatte mit vielen technischen Neuerungen zu kämpfen. So war es zum Beispiel sein erster Ton-Film, den er drehte. Dies und die für damalige Verhältnisse sehr moderne Kameratechnik stellte ihn besonders in den groß angelegten Massenszenen vor immense Herausforderungen.
Mit dem Beginn des Zweiten Weltkrieges wurde der Film in einigen Ländern verboten, da er fälschlicherweise als Pro-deutsch rezipiert wurde. Nur in Deutschland verbat man den Film wegen seiner ebenso falsch prognostizierten Anti-deutschen Botschaft. Keine gute Voraussetzung, um einen der wichtigsten Antikriegsfilme in den Lichtspielhäusern zu zeigen. 100 Jahre Universal
Doch zum Glück ändern sich die Zeiten. Heute weiß man den Wert von Milestones filmischem Meilenstein zu schätzen, weshalb er im Rahmen 100. Jubiläums von Universal auf Blu-ray Disc erscheint, und das in einem sehr sehenswerten, überarbeiteten Zustand.
Die hypnotischen Kamerafahrten von der Straße in das Klassenzimmer oder auch die markanten Bilder vom Schlachtfeld wirken frischer denn je, Schwarzwert und Kontrast erreichen in Relation zum Alter gesehen Bestwerte. Natürlich gibt es auch sehr dunkle und zulaufende Sequenzen, in denen zahlreiche Details verschwinden. Filmkorn und Schärfeverluste treten Szenenbedingt mal stärker, mal schwächer auf.
Der Ton klingt sehr alt und im Frequenz-Spektrum gedämpft. Doch etwas anderes wäre hier auch nicht zu erwarten gewesen. Der Collector’s Edition wird als hochwertiges Digibook mit interessanten Zusatzinformationen ausgeliefert.Die Wertung
FILMINHALT: 10 von 10
TECHNIK: 5,5 von 10
BILDQUALITÄT: 7 von 10
TONQUALITÄT: 4 von 10
Fazit: Der Antikriegsfilm schlechthin – die Literaturverfilmung nach Erich Maria Remarques Meisterwerk ist ein Meilenstein der Filmgeschichte.
BONUSMATERIAL: 3 von 10
Infos zur Blu-ray
Genre: Anti-Kriegsfilm | Originaltitel: All Quiet on the Western Front | Land/Jahr: US 1930 | Vertrieb: Universal Home | Bild: MPEG-4, 1.33:1 | Ton: DTS 2.0 | Regie: Lewis Milestone | Darsteller: Lew Ayres, Louis Wolheim | Laufzeit: 133 Min. | Wendecover: k.A. | Anzahl Discs: 1 | FSK: ab 12 Jahre | Start: 15. März 2012
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[Falko Theuner]
Bildquelle:
- Inhalte_Blu-ray_Artikelbild: © Auerbach Verlag