DRM statt DAB+: Digital-Radio Gospell GR-228BP im Test

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Gospell-GR-228BP, DRM Radio
©PixPacks/stock.adobe.com, Auerbach Verlag/Thomas Riegler

Das Gospell GR-228BP ist ein Digital-Radio der anderen Art, es empfängt nicht DAB+, sondern DRM und DRM+. Analoges UKW und AM beherrscht es auch. Jedenfalls ein echter Exot, der dennoch von Nutzen sein kann.

Bevor wir uns dem GR-228BP widmen, wollen wir der Frage nachgehen, was man unter DRM versteht. Digital Radio Mondiale, so der volle Name, wurde maßgeblich vom Fraunhofer Institut entwickelt und basiert auf internationale Bemühungen mit dem Ziel, die Lang-, Mittel- und Kurzwelle zu digitalisieren. Rauschfreier Klang, Stereo, Radiotext und Journaline, quasi eine Radiozeitung, sollten den AM-Bereich wieder attraktiv gestalten. Gleichzeitig erlaubt DRM einen guten Versorgungsgrad mit geringeren Sendeleistungen als beim analogen Radio.

DRM - Digital Radio Mondiale
©www.drm.org

DRM hätte ein großes Potential gehabt. Diesen Trumpf hatte man aber international gründlich verspielt. Die wenigen Empfangsgeräte, die es gab, wurden irgendwie händisch zusammengebaut und hatten extrem schlechten Empfang. Gleichzeitig reduzierte man bei den Senderstandorten, die DRM ausstrahlten, die Sendeleistungen auf ein derartiges Minimum, dass mit normalen Antennen kaum Empfang möglich war. In DRM sendeten damals viele. Unter anderem RTL, der WDR, die DW, der DLF, der BR, die BBC und so weiter.

Nachdem DRM wegen der Nichtverfügbarkeit an DRM-Radios bei uns so richtig floppte und analoges AM keiner mehr hören wollte, wurden in Europa die Lang- und Mittelwellensender abgeschaltet und abgerissen. Auch von der Kurzwelle haben sich inzwischen viele verabschiedet. DRM im großen Stil kann es demnach bei uns kaum mehr geben.

DRM lebt im Radio weiter

Über viele Jahre hinweg war es in unseren Breiten komplett um DRM still geworden. Doch der Standard wurde nicht zu Grabe getragen, sondern weiter entwickelt. Mit DRM+ gibt es nun auch eine Variante für den UKW-Bereich. Das bei uns von DAB+ bekannte Notfall-Warnsystem EWF wurde ebenfalls integriert.

DRM India
©www.drm.org

Inzwischen konnte sich DRM vor allem in Indien, aber auch in Pakistan, Indonesien und China etablieren. In diesen Ländern spielen die Mittel- und Kurzwelle noch eine tragende Rolle, weil mit nur einem Sender sehr große Regionen versorgt werden können. Zudem hat man aus den Fehlern in Europa gelernt und man strahlt DRM nun mit weitaus höheren Sendeleistungen aus, die die leichte Empfangbarkeit begünstigen. Der Globalisierung haben wir es übrigens zu verdanken, dass auch bei uns in hochpreisigen Autos bereits DRM eingebaut sein kann. Da diese Funktion in unseren Autos aber deaktiviert ist, bekommen wir davon nichts mit.

DRM-Radio in Europa

Auch in Europa gibt es noch regelmäßige DRM-Ausstrahlungen, sogar in Deutschland. Radio Rumänien International strahlt täglich je eine Stunde auf Kurzwelle in Deutsch, Englisch, Französisch und Spanisch aus. Italienisch gibt es täglich eine halbe Stunde. Zweimal wöchentlich werden von „Music 4 Joy“ Techno-Klänge auf Kurzwelle in Stereo verbreitet. Weiter sind der BBC World Service, Radio Kuwait und TDF aus Frankreich mit DRM-Sendungen vertreten. Sie alle konnten wir empfangen. Im Großraum Nürnberg/Erlangen ist zudem Funklust rund um die Uhr auf Kurwelle in DRM vertreten.

Design und Ausstattung des Gospell GR-228BP

Das Gospell GR-228 BP ist für den indischen bzw. asiatischen Markt vorgesehen und bei uns gewöhnlich nicht erhältlich. Es ist ein unauffälliges, in schwarz gehaltenes Kofferradio, dem man zunächst gar nicht ansieht, was in ihm steckt. Blickfang sind zunächst der aus einem Lederband gefertigte Traggriff und die Rundum-Stoffbespannung, die dem Gerät ein edles Aussehen verleihen. Die Oberseite, auf der auch alle Bedienungselemente platziert sind, sowie der obere, abgeschrägte Teil der Front sind aus Hochglanz-Kunststoff.

Gospell-GR-228BP, Bedienelemente
©Auerbach Verlag/Thomas Riegler – Das Bedienfeld befindet sich an der Oberseite und überrascht uns mit einigen unerwarteten, aber dennoch logischen Symbolen

Bei dem Gerät hat man auf einfache Bedienung wert gelegt. Dementsprechend kommt das Radio mit nur zwei Drehreglern und acht Tasten aus. Die auf ihnen aufgedruckten Symbole sind großteils anders, als man es erwarten würde, aber dennoch logisch. So verbergen sich etwa hinter der Lupe der Sendersuchlauf, hinter dem Herz die Favoriten-Speicherplätze und hinter dem Zahnrad die Menüoberfläche. Etwas ungewohnt ist ferner die Funktion der beiden Drehregler. Von anderen Radios ist man gewohnt, dass die Lautstärke links zu regeln ist. Beim Gospell ist es der rechte Drehknopf. Der Linke dient für diverse Auswahlfunktionen. Zunächst fällt das zweimal 16-stellige Display gar nicht auf. Es ist in der abgeschrägten Frontpartie integriert und kommt mit ausgesprochen geringer Leuchtkraft. Im Freien hat man da schon seine liebe Not, überhaupt etwas zu erkennen.

Für den Empfang auf allen Wellenbereichen sorgt eine hinter dem Bedienfeld angebrachte schwenkbare, 67 cm lange Teleskopantenne. Darunter findet man an der Rückseite das Anschlussfeld. Hier findet man nicht nur die obligatorische Kopfhörer- und Micro-USB-Buchse für den Anschluss eines Netzteils, sondern auch eine weitere USB-Schnittstelle, an der etwa ein Speicherstick angedockt werden kann. Daneben findet sich zudem ein Schlitz für eine TF-Speicherkarte. Von beiden kann das GR-228BP Musik wiedergeben. Weiter lässt sich rückwärts eine externe Antenne anschließen. Dazu kommt, in unseren Breiten recht unüblich, eine weitere Klinkenbuchse zum Einsatz. Mit Adaptern kommt man aber auch hier zum Ziel.

Gospell-GR-228BP, Anschlüsse
©Auerbach Verlag/Thomas Riegler – Auch auf der Rückseite des GR-228BP dominiert die Stoffbespannung. Über ihr befinden sich das Anschlussfeld und die Antenne

Das GR-228BP wartet auch mit einem unerwarteten Feature auf: einer Freisprecheinrichtung. Dazu hat es an der Oberseite ein Mikrofon eingebaut. Damit kann man mit dem Gerät nicht nur via Bluetooth Musik vom Smartphone hören, sondern im Falle eines Anrufs auch gleich über das Radio mit dem Anrufer sprechen.

Stichwort Netzteil

Zum Lieferumfang des Gospell-DRM-Radios gehört auch ein robustes 220-V-Netzteil. Dieses ist aber wohl für indische Steckdosen vorgesehen und lässt sich bei uns nicht nutzen. Dank des Micro-USB-Anschlusses am Gerät kann man aber ein beliebiges anderes USB-Ladegerät nutzen. Einzige Voraussetzung ist, dass es in der Lage ist, zumindest 700 mA an Strom bereitzustellen.

Inbetriebnahme des Gospell GR-228BP

Schaltet man das GR-228BP ein, wird man im Display mit „Welcome to Digital Radio“ begrüßt. Den Spruch kennen wir auch von DAB+. Hier bezieht er sich aber ausschließlich auf DRM. Das Gerät bietet in allen drei Rundfunk-Betriebsarten je einen automatischen und manuellen Scan. Dieser benötigt im DRM-Modus fast fünf Minuten. Schließlich gilt es, alle Kurzwellen-Rundfunkbänder zwischen 2,3 und 26,1 MHz in 5-kHz-Schritten durchzusuchen. Die manuelle Suche bietet sich insbesondere für die analogen Betriebsarten an. Auf UKW erfolgt sie in 50-kHz-Schritten, auf Mittelwelle wahlweise im 9- oder 10-kHz-Raster. Bei der Kurzwelle sind es 5 kHz.

DRM-Empfang

Gospell-GR-228BP, Display
©Auerbach Verlag/Thomas Riegler – DRM überträgt unter anderem auch den Stationsnamen und Radiotext, die im Gerätedisplay angezeigt werden

Aus der schon länger zurückliegenden Vergangenheit wussten wir von mehreren Tests, dass DRM-Radios ziemlich taube Geräte waren, mit denen ohne großer externer Antenne gar nichts zu machen war. Bei ihnen war die Teleskopantenne nicht viel mehr als ein nutzloser Ziergegenstand. Umso überraschter waren wir, als uns das GR-228BP im Rahmen eines DXer-Treffens vorgeführt wurde. „Das Teil empfängt echt mit der eingebauten Antenne – störungsfrei!“ war unsere erste Reaktion darauf. Damit war das kleine Gospell nicht weniger als ein echter Quantensprung bei den DRM-Radios. Das Gospell beherrscht auch DRM+, das Digitalradio auch im UKW-Bereich erlaubt. Diese Funktion konnten wir aus Mangel an empfangbaren Signalen jedoch nicht testen.

DRM ausreizen

Der AM-Bereich gilt als besonders störanfällig. Laufende Computer, Netzteile, LCD-Schirme, LED-Beleuchtung und mehr können den analogen Lang-, Mittel- und Kurzwellenempfang bis zur absoluten Unbrauchbarkeit zerstören. Dieses Störpotenzial kennen wir auch von unseren Rechnern im Büro. Deshalb haben wir das Radio unmittelbar zwischen drei laufenden Notebooks platziert und sind mit der eingebauten Antenne auf DRM-Wellenjagd gegangen. Zu unserer vollen Überraschung hat der Empfang aller für Europa gedachten DRM-Ausstrahlungen geklappt. Ein eindeutiges Zeichen für die Robustheit von DRM-Signalen, die anders als analoges AM selbst noch unter schwierigen Voraussetzungen zu empfangen sind.

Wie klingt DRM?

DRM ist genauso wie DAB+ ein äußerst flexibler Übertragungsstandard, bei dem die gewählten Übertragungsparameter über das Verhältnis von Nutzsignal zu Fehlerschutz bestimmen. Grundsätzlich gilt auch hier, dass ein sehr guter Fehlerschutz nur noch wenig Kapazitäten für das Audio bereitstellt und umgekehrt. Weiter sollte man DRM klanglich nicht mit DAB+ oder UKW vergleichen. Als Maßstab gilt hier der analoge AM-Rundfunk. Der klingt oft äußerst bescheiden, ist von starken Signalschwankungen begleitet und auch ein verrauschtes Erlebnis mit gleichzeitig bescheidenem Frequenzgang.

Gospell-GR-228BP, Antenne
©Auerbach Verlag/Thomas Riegler – Das Gospell spielt auch Musik von USB-Sticks und TF-Speicherkarten ab. Der Antennenanschluss ist als 3,5-mm-Klinkenbuchse ausgeführt

All diese Mängel kennt DRM nicht. Entweder ist der Empfang einwandfrei oder er klappt gar nicht. Das kennen wir so auch schon von DAB+. DRM-Sendungen auf Kurzwelle kommen absolut rauschfrei und mit gleichbleibender Qualität. An den UKW-Sound kommt DRM zwar nicht heran, stellt im Vergleich zum analogen AM aber einen echten Quantensprung dar. Jedenfalls ist das Audio auch bei robusten Signalen so gut, dass man es, auch so wie DAB+ oder UKW, einfach ganz normal hören und Spaß damit haben kann. Übrigens: DRM erlaubt auch auf Mittel- und Kurzwelle Stereosendungen, wovon teilweise auch Gebrauch gemacht wird.

Analoger Radio-Empfang

Das Gospell GR-228BP empfängt auch analog auf UKW sowie Mittel- und Kurzwelle. Auf UKW erweist es sich als ziemlich empfangsstark. Zudem kommen verschiedene Filterbandbreiten zum Einsatz, die automatisch für besten Em­pfang sorgen. Wie viele Filter es konkret sind, konnten wir nicht ermitteln, aber es sollten jedenfalls zehn sein, die von 64 bis 236 kHz Bandbreite reichen.

Überrascht hat uns ferner die gute Trennschärfe, die in der Lage ist, selbst Stationen im Abstand von 100 kHz gut voneinander zu trennen.
Auch auf der analogen Mittel- und Kurzwelle stellt das Gerät zufrieden. Außergewöhnlich gute Empfangsleistungen sollte man hier aber nicht erwarten. Fasziniert hat uns, dass das Radio neben einer schlichten Signalstärke-Balkenanzeige auch ein eigenes Untermenü beinhaltet, das uns alle Details zur Signalstärke und –qualität verrät. Es steht auf UKW, AM und DRM zur Verfügung.

Gospell-GR-228BP, DRM-Logo
©Auerbach Verlag/Thomas Riegler – Das DRM-Logo ist am Gerät recht unscheinbar platziert. Es verrät uns, dass es digital auf Mittel- und Kurzwelle, aber auch auf UKW, empfängt

Geheimes Menü

Gewöhnlich beschränkt sich das zweistellige Display des Gospell GR-228BP auf die Anzeige der wichtigsten Parameter wie Frequenz, Stationsnamen und Radiotext. Zur Beurteilung der Signalstärke steht nur eine ungenaue Balkenanzeige zur Verfügung, die nur unmittelbar vor dem Wiedergabestart bei DRM zu sehen ist. Doch das Radio besitzt auch ein geheimes Menü, zu dem man durch längeres Drücken der mit einer Raute markierten Service-Taste gelangt.

Akkulaufzeit

Das Gospell GR-228BP kommt mit einem 2 200 mAh großen Lithium-Ionen-Akku, der eine durchaus lange Laufzeit vermuten lässt. Umso erstaunter waren wir über den extrem hohen Energiehunger des DRM-Radios. Dieses schaltet sich im UKW-Betrieb bereits nach 3 Stunden und 15 Minuten bei halber Lautstärke ab. Im DRM-Modus erreicht man gar nur zweieinhalb Stunden. Man sollte sich also genau überlegen, wie man das Gerät akkubetrieben einsetzt.

Fazit zum Gospell GR-228BP

Gospell-GR-228BP mit Netzteil
©Auerbach Verlag/Thomas Riegler – Das dem Gospell GR-228BP beiliegende Netzteil ist nicht für den Einsatz in unseren Breiten vorgesehen

Aktuell ist DRM in Europa eine Randerscheinung. Nichtsdestotrotz ist seine Entwicklung weiter gegangen und wir haben es heute mit einem echt gut funktionierenden Standard zu tun. Es ist nicht ausgeschlossen, dass DRM in Zukunft auch in Europa eine größere Rolle spielen könnte. Es könnte etwa für die neuen Mittelwellen-Kleinsender in den Niederlanden eine Chance bedeuten, Radio mit hoher Klangqualität anzubieten. Nicht ganz außer Acht lassen sollten wir auch den UKW-Bereich. Insbesondere nach dem Ende der analogen Ausstrahlungen.

Das Gospell GR-228BP zeigt uns jedenfalls, dass DRM seine Kinderkrankheiten hinter sich gelassen hat. Radio-Freaks werden an dem Gerät jedenfalls Gefallen finden. Ob es irgendwann auch für den klassischen Zuhörer interessant wird, bleibt abzuwarten. Aufgrund des Mangels an deutschsprachigen DRM-Angeboten ist es derzeit eine große Investition ohne den durchschlagenden Mehrwert für diese Hörergruppe.

Text: Thomas Riegler / Redaktion: Felix Ritter

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20 Kommentare im Forum
  1. Sehr interessanter Ansatz, der grassierenden Vernichtungs- und Zerstörungswelle von KW, MW und UKW zu Gunsten der angeblich alternativlosen, aber schlecht ausgeführten DAB+ Vision, etwas entgegen zu setzen.
  2. KW und MW ist eh nicht mehr nutzbar. Hätte man diese Frequenzen in FM nutzbar gemacht, wäre es sicher noch eine Alternative (vor allem für Weitempfang).
  3. Da ich mit KW, MW und UKW groß geworden bin, sehe ich darin durchaus bestimmte Vorteile bei speziellen Anwendungen. Die Weitverbreitung Richtung Afrika, Südamerika etc. war nur mit KW möglich, auch der Seefunk. Aber heute gibt es andere Möglichkeiten, dennoch sind weitere Nischen erschließbar, aber das passt nicht in das heutige Denkkonzept. Das Alte ist komplett überholt, nicht mehr zeitgemäß, teils schlecht und am Neuen läßt sich gut verdienen.
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