
Um DAB Plus zum Durchbruch zu verhelfen, müsste es einen Termin für die Abschaltung des analogen UKW-Radios geben. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Marktstudie. Durch das Festlegen eines entsprechenden Termins würden DAB-Plus-Empfänger vermutlich innerhalb von kürzester Zeit millionenfache Verbreitung finden.
Am 1. August 2011 startete das Projekt Digitalradio in Deutschland auf breiter Front. Mit dem Launch des bundesweiten Multiplex auf Kanal 5c wurde das neue terrestrische Digitalradio im Übertragungsstandard DAB Plus erstmals für viele Haushalte empfangbar. Rund drei Jahre später hat DAB Plus bereits zahlreiche Hörer gefunden, doch konnte bislang nicht aus dem Schatten des analogen Radios über UKW hervortreten.
In einer aktuellen Studie haben sich nun die Marktforscher von Prognos mit den Marktchancen von DAB Plus auseinandergesetzt. Dabei kamen sie auf eine einfache Formel, die gleichzeitig das Dillema beim Umstieg auf das digitale Radio zum Ausdruck bringt: „Ohne Erfolg von DAB Plus keine UKW-Abschaltung, und ohne konkreten UKW-Abschalttermin kein Erfolg von DAB Plus“.
Während man sich in der Schweiz bereits frühzeitig auf 2024 als Abschalttermin für den analogen Übertragungsstandard UKW festgelegt hatte, ist man in Deutschland von der Einigung auf ein verbindliches Abschaltdatum noch weit entfernt. Laut der Studie könnte jedoch genau solch ein Termin dem Digitalradio den nötigen Schub geben, um sich am Massenmarkt zu etablieren. Bei der Neubeschaffung von Radios würden sich die Kunden dann automatisch auf DAB-Plus-Geräte konzentrieren. Bei einer Menge von 6,5 Millionen verkauften Radios im Jahr würde eine ausreichende Geräteausstattung in den deutschen Haushalten bald automatisch erreicht sein.
„Es wäre kontraproduktiv, auf einen bestimmten Ausstattungsgrad der Haushalte zu warten und erst dann einen Switch-Over-Termin festzulegen. Schwellenwerte bremsen die Diffusionsdynamik, die entstehen kann, wenn das Auslaufen der alten Technologie beschlossen und absehbar ist“, so die Marktforscher. Ein Abschalttermin 2018, wie er für Deutschland gefordert wurde, sei dabei jedoch unrealistisch. Ein Termin wie in der Schweiz, wo das UKW-Radio 2024 abgeschaltet werden soll, wäre jedoch umsetzbar.
Im März diesen Jahres hatte sich erstmals der Vorsitzende der Direktorenkonferenz der Landesmedienanstalten (DLM), Jürgen Brautmeier, für einen UKW-Abschalttermin ausgesprochen. In der Vergangenheit hatte sich vor allem Deutschlandradio-Intendant Willi Steul für ein verbindliches Datum stark gemacht. Vor allem die privaten Radioveranstalter in Deutschland weigern sich jedoch, einen Termin für die Abschaltung von UKW festzulegen. [ps]
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