
Berlin – Die Komplett-Digitalisierung im Kabel kostet rund zwei Milliarden Euro, hat die Kommission für Zulassung und Aufsicht der Landesmedienanstalten (ZAK) in ihrem Digitalisierungsbericht 2009 festgestellt.
„Legt man für einen digitalen Receiver die Summe von 100 Euro zugrunde, beliefe sich der Aufwand für die Umstellung im Kabel, der von den Netzbetreibern, den Kunden oder von beiden zu tragen wäre, auf rund zwei Milliarden Euro“, berichtet die ZAK in ihrem diesjährigen Digitalisierungsbericht, der DIGITAL FERNSEHEN vorliegt.
Um die Digitalisierung weiter voranzutreiben, „müssen Sender und Netzbetreiber vor einer Abschaltung überlegen, ob sie die `kritische Masse´ darauf beziehen, ob in einem Haushalt mindestens ein oder alle Empfänger digital sind“, so die ZAK. Das sei sowohl hinsichtlich der Reichweite der Sender als auch für den Kundenbestand der Kabelunternehmen von Belang.
Auch spiele der Aufwand für die Umstellung von analog zu digital eine Rolle. Die Abschaltung der analogen Satelliten habe so nicht nur zur Folge, dass die verbliebenen analogen Satelliten-Haushalte gezwungen seien, sich Ersatz zu besorgen. Auch entfalle die analoge Signalzuführung für eine große Zahl von Kabelnetzen.
Die Netzbetreiber könnten darauf unterschiedlich reagieren, prognostiziert die ZAK. Entweder sie reanologisieren das Kabelsignal, setzen also das digitale Einspeisesignal wieder in ein analoges um, wovon der Kunde nichts mitbekommt. Oder die Netzbetreiber stellen die analoge Verbreitung ein. Das hätte zur Folge, dass die Kabelkunden neue digitale Empfangsgeräte benötigen würden.
Dabei seien für die Kabelnetzbetreiber vor allem zwei Gruppen zu beachten. Erstens handelt es sich um Unternehmen der Wohnungswirtschaft oder der Netzebene vier. „Solange hier die Abnehmer analoge Angebote nachfragen, wird es Anbieter geben, die diese Nachfrage befriedigen“, vermutet die ZAK. Um das analoge Signal abzuschalten, sollte es deshalb Regelungen zum gleichzeitigen Abschalten bei allen Netzbetreibern geben, empfiehlt die Kommission für Zulassung und Aufsicht der Landesmedienanstalten (ZAK).
Zum Zweiten seien beim Abschalten der analogen Signale die Privatkunden zu beachten. So hätten die Kabelunternehmen ihr Angebot sein Jahren unverändert gelassen. „Die Umstellung auf ein rein digitales Signal, verbunden etwa mit einem Zusatzaufwand für Zweit- und Drittgeräte, würde bei dem einen oder anderen Zuschauer unter Umständen auch ein Nachdenken über einen Wechsel der Fernsehempfangsart auslösen,“ heißt es im Digitalisierungsbericht 2009. Die Kabelunternehmen seien jedoch daran interessiert, „ihre Umsatzträger zu halten oder gar auszubauen“. [ar]
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