
Bonn – Der Fachverband Rundfunkempfangs- und Kabelanlagen (FRK) hält an seinem Vorhaben fest, für mittelständische und unabhängige Kabelgesellschaften ein Digitalpaket mit 18 bis 26 privaten Free-TV-Sendern einzurichten, das diese in Eigenregie in ihren Kabelnetzen verbreiten können.
Diese Pläne würden trotz des Vorstoßes des Satellitenbetreibers Eutelsat vorangetrieben, der Kabelnetzbetreibern über seinen KabelKiosk ab Ende Mai ebenfalls ein digitales Free-TV-Paket mit Privatsendern anbieten will, so der stellvertretende FRK-Vorsitzende Heinz-Peter Labonte. Der Verband verfolgeunterschiedliche Philosophien. Das Konzept des Verbandes decke sich mit den Verbraucherinteressen und gebe den Kabelgesellschaften die Wahlfreiheit, wie sie mit dem Angebot umgehen wollen.
So könne jeder Kabelnetzbetreiber selbst entscheiden, ob er die mit der Einspeisung entstehenden Kosten an seine Kunden weitergibt oder sie selbst trägt, um sein Angebot noch attraktiver zu machen und die Kunden stärker an sich zu binden. Die Kabelgesellschaften behielten zudem die Gestaltungshoheit der Endkundenbeziehung, da der Vorlieferant nicht vorschreibe, unter welchen Bedingungen sie Zugang zu dem Bouquet erhalten, verdeutlichte Labonte.
Ein weiterer Vorteil dieses Vorgehens bestehe darin, dass die Kunden mit allen gegenwärtig auf dem Markt befindelichen digitalen Empfangsgeräten die Programme empfangen könnten, denn im Gegensatz zum Paket von KabelKiosk und den großen regionalen Kabelgesellschaften werde es keine Grundverschlüsselung.
Ziel sei der selbstbestimmte Zugang des Kunden zu dem Bouquet. Die Signale würden zwar verschlüsselt via Satellit zu den Kabelkopfstationen übertragen, dort aber zentral entschlüsselt und als „echtes Free-TV“ in die Kabelnetze eingespeist.
Die Kunden können dadurch auf dem freien Markt die Set-Top-Box oder Fernseher mit eingebautem Digitalreceiver erwerben, der am besten ihre Anforderungen erfüllt. Probleme mit unterschiedlichen und inkompatiblen Verschlüsselungstechnologien würden gar nicht erst entstehen. Natürlich stünde es den Kabelnetzbetreibern frei, ihren Kunden eigene Empfangsgeräte zum Kauf, zur Miete oder sogar gratis anzubieten.
Auch Verbindungen mit Kundenbindungsmaßnahmen wie Rabatten auf die Kabelgebühr oder den Anlieferungskosten zur Kopfstelle seien möglich. Die Kabelgesellschaften könnten zudem höherwertige Modelle, die sich für Pay-TV eigneten, in eigener Regie vermarkten.
So gebe es Überlegungen, das Free-TV-Paket mittelfristig um eine Pay-TV-Komponente zu ergänzen. Für die Signalzuführung zu den Kabelkopfstationen laufen nach Angaben Labontes derzeit Gespräche sowohl mit Eutelsat und der Kabelgesellschaft Tele Columbus, mit der Eutelsat das Free-TV-Paket einführt, als auch mit dem Wettbewerber SES Astra, mit dem bereits eine Absichtserklärung unterschrieben wurde.Dabei handle es sich letzten Endes um eine „rein wirtschaftliche Frage“: Wer den Kabelnetzbetreibern die besten Konditionen biete, mit dem setzte man das Konzept durch, erklärte Labonte.
Die Entscheidung über den Partner falle bis Ende April. Um die Kosten für die Abnehmer möglichst gering zu halten, soll keine Direktempfangsposition wie 19,2 Grad Ost oder 13 Grad Ost, sondern eine Orbitalposition eingesetzt werden, auf der die Kapazitäten preiswerter sind.
Für die Empfangsausrüstung, die eine Schüssel mit Entschlüsselungsvorrichtung an der Kopfstelle umfasst, müssen Kabelnetzbetreiber nach Angaben Labontes mit Kosten von rund 2000 Euro rechnen. Bei 100 angeschlossenen Wohneinheiten entspreche dies 20 Euro pro Wohneinheit. Die Anlaufinvestitionen könnten damit über eine Gebühr von vier Euro pro Jahr und Kunde in fünf Jahren amortisiert werden. Hinzu kommt eine Monatsgebühr im unteren einstelligen Euro – Bereich, die an die Dienstleistungsgesellschaft zu zahlen ist, die das Angebot bereitstellt.
Jedem Kabelnetzbetreiber stehe es frei, ob und in welcher Form er die Anfangsinvestitionen und laufenden Kosten für die transponderoptimierte Programmanlieferung an seine Kunden weiterreicht, hob Labonte hervor. Mit steigenden Abnehmerzahlen könnten die Monatsgebühren sinken.
Mittlerweile wurde nach Angaben Labontes zudem beschlossen, kein eigenes Uplink-Center zu betreiben, über das die Programme auf den Satelliten geschickt werden, sondern Dienstleister damit zu beauftragen.
Sobald die Entscheidung über den Satellitenpartner gefallen sei, werde der FRK rund 2.700 Kabelnetzbetreiber über die Pläne und deren Einführung informieren. Diese Unternehmen verfügten über geeignete Kopfstellen, könnten sofort mit der Einspeisung beginnen. Von Juni bis Oktober sollen die Verträge mit interessierten Kabelgesellschaften abgeschlossen werden, die das Angebot einspeisen wollen. Der offizielle Startschuss fällt während des 11. FRK-Kabelkongresses, der am 7. und 8. Oktober in Leipzig stattfindet.
Dem Bouquet werden nach Angaben Labontes zunächst Privatsender angehören, die nicht Bestandteil der beiden großen TV-Gruppen RTL und ProSiebenSat.1 sind, da diese weiterhin auf eine Grundverschlüsselung im digitalen Kabelnetz setzen: So lange RTL, Sat.1 & Co. noch via Satellit frei empfangbar sind, würden sie – bis zum Ende der Analogabstrahlung – weiterhin eingespeist.
Die Gespräche mit ProSiebenSat.1 seien ergebnislos abgebrochen worden, während sie mit RTL seit drei Monaten stagnierten, erklärte Labonte. Im Blickfeld habe der FRK zunächst rund 30 Sender, mit denen Gespräche geführt werden sollen. Das Spektrum reiche von tv.gusto über QVC bis zu Bibel TV. Zum Start sei vorgesehen, insgesamt 18 bis 26 Sender auf zwei Transpondern zu verbreiten.
Der Verband rechne damit, dass er mit dem Free-TV-Paket bis zur angestrebten Volldigitalisierung im Jahr 2012 etwa 2,38 Millionen Kundenhaushalte versorgen könne, was mehr als zehn Prozent des Kabelmarkts entspräche, erklärte Labonte. Mit der Abschaltung weiterer analoger Kabelkanäle würden Kapazitäten für zusätzliche digitale Sender geschaffen, die schrittweise in das Paket aufgenommen werden sollen.
Im Endausbau könnte das Bouquet bis zu 400 Sender umfassen, darunter etwa 100 Free-TV-Kanäle, 100 bis 200 Abo-Sender und ein bis zwei etablierte Pay-TV-Plattformen wie Premiere, entavio oder Angebote großer Kabelgesellschaften wie Kabel Deutschland, sofern sie für diesen Vertriebsweg verfügbar gemacht werden. Zudem sollen in den Paketen auch HDTV-Programme verbreitet werden. [mg]
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