In „House of the Dragon“ wird erneut um den Eisernen Thron gekämpft. Die ersten Episoden erinnern an die Glanzzeiten von „Game of Thrones“, aber lassen auch erste Schwächen erkennen. Folge 1 von „House of the Dragon“ ist ab heute Nacht bei Wow abrufbar – nach der linearen Premiere bei Sky.
Fehlende Anstrengungen kann man HBO kaum vorwerfen. Zumindest die erste Episode von „House of the Dragon”, die in der Nacht von Sonntag auf Montag Weltpremiere feiert, kann man als eine Genugtuung für „Game of Thrones“-Fans bezeichnen. Für die Alteingesessenen, aber auch die Vergraulten und Enttäuschten – und für Enttäuschung boten die letzten Episoden der Original-Serie bekanntlich jede Menge Anlass. Im Gedächtnis der Fantasy-Welt von George R.R. Martin wühlt dieses neue Epos, um weitere Geschichten aus Westeros zu beleuchten.
172 Jahre vor der Geburt von Daenerys Targaryen setzt „House of the Dragon“ ein. Eine Erzählerstimme und Texttafel übernehmen dabei die zeitliche Verortung und Kontextualisierung. König Viserys I. Targaryen (Paddy Considine) herrscht über die Sieben Königslande. Seine hochschwangere Frau Aemma (Sian Brooke) erwartet nach einigen Fehlgeburten gerade den ersehnten Thronfolger, was mit einem großen Tjost-Spektakel für Volk und Edelleute in der Hauptstadt King’s Landing gefeiert werden soll. Doch wie man es bereits aus „Game of Thrones“ kennt, währt der Frieden nicht lang und die nächste Tragödie zieht längst auf. Am Ende der Pilotfolge von „House of the Dragon“ sind erste Freundschafts- und Familienbande entzweit. Es ist der Anfang vom Ende eines Regimes.
Hinweis: Folge 1 von „House of the Dragon“ läuft ab 3.00 Uhr heute Nacht (21. auf 22. August) erstmals bei Sky Atlantic und ist ab 4.15 Uhr bei Sky-Streamingdienst Wow abrufbar. |
Ein weiteres Mal wird um den mit Schwertern umrankten Eisenthron intrigiert, der bereits sinnbildliche Schnittwunden im Körper des regierenden Königs schlägt. Während in „Game of Thrones“ verschiedenste Familien mitmischten, geht es dieses Mal vor allem um die Zerwürfnisse innerhalb einer Dynastie. Mittendrin: Rhaenyra Targaryen und Alicent Hightower, in jungen Jahren gespielt von Milly Alcock und Emily Carey, in der zweiten Staffelhälfte übernehmen Emma D’Arcy und Olivia Cooke. Zwei Freundinnen, die Rivalinnen werden. Der blutrünstige „Tanz der Drachen“ zeichnet sich ab.
„Game of Thrones“ ist wieder da
Überwältigend, vielversprechend, aber auch dick aufgetragen ist der Auftakt von „House of the Dragon“. Regisseur und Co-Showrunner Miguel Sapochnik fährt in der ersten Episode allerlei versöhnende Stärken auf, die das Fantasy-Epos einst so populär werden ließ. Ein Umreißen von ambivalenten Charakteren, großes Dialog-Drama im Fernsehen, garniert mit XXL-Schauwerten, Massenszenen, Drachen und Kompromisslosigkeiten. In einer spektakulären wie verstörenden Parallelmontage überlagert Sapochnik Leben und Tod auf brutale Weise und setzt damit ein Ausrufezeichen hinter das zentrale Thema der Serie: die Grausamkeit patriarchaler Strukturen, die sich in ihren eigenen Traditionen und Handlungsmustern verfangen.
„House of the Dragon“: Folge 1 als große Exposition
Unzählige Informationen über Figuren und Konstellationen breitet „House of the Dragon“ zu Beginn aus. Große Emotionen versucht man obendrein dem Publikum zu entlocken. Im Hintergrund schmachtet, grummelt und peitscht die Musik des Komponisten Ramin Djawadi, in die sich immer wieder auch vertraute, melancholische Melodien und Töne der alten Staffeln mischen. Drei Jahre Pause reichen aus, um nostalgisch werden zu dürfen.
Zwischendrin wird in gewohnter Manier und in üppig aufgebauschten Gesprächen von Macht, Tradition, Pflicht, Moral schwadroniert. Das „Game of Thrones“-Universum war schließlich schon immer gut darin, seinem Seifenoper-Kern die ganz großen Fragen und politischen Schlagworte überzustülpen. Über Schein und Sein lässt sich natürlich streiten.
So geht es auch in „House of the Dragon“ (leicht erkennbar) um identitätspolitische, emanzipatorische Konflikte, um die Frage, wer mit welchen Mitteln am längeren Hebel sitzt, wie sich Systeme selbst zu erhalten versuchen. Was sich nach der vollgepackten und mitreißenden ersten Folge sowie ihrem ebenso starken Nachfolger verhärtet, ist jedoch auch der Eindruck einer etwas konfusen Fokussierung. „House of the Dragon“ müht sich neben seinen durchaus vorhandenen Qualitäten spürbar an der eigenen Erzählstruktur ab.