
Der Videospiel-Erfolg „Minecraft“ kommt in die Kinos. Bis auf allerlei plumpen Klamauk hat die Verfilmung allerdings wenig zu bieten.
Das Problem beginnt schon bei den Klötzen. Minecraft, das ist dieses ästhetisch höchst eigenwillige Spiel. Während die Grafik der meisten Games in den letzten Jahren und Jahrzehnten vor allem versuchte, immer lebensechter und detaillierter virtuelle Welten zu schaffen und abzubilden, ging dieses Spiel einen anderen Weg und wurde zum Welterfolg. Grobe, schroffe, großformatige Pixel, abstrakte Formen und allerlei Ecken und Kanten. Eine Welt, die aus Bausteinen errichtet ist, nebst all ihrer Bewohner. Ein Beweis, dass Immersion im Sinne einer Versenkung in den digitalen Raum nicht auf Realismus angewiesen ist. Und nun kommt diese Kino-Adaption und liefert eine zwar opulent animierte, aber äußerst weichgespülte Version dieser Bildwelten.
„Ein Minecraft Film“ spielt zwar mit den ikonischen Bauklötzen, doch von der starken Abstraktion, mit der die Bilder der Videospiel-Vorlage arbeiten, hat man sich hier verabschiedet. Alles soll kleinteiliger, lebensechter und greifbarer animiert sein. Das beeindruckt technisch, ist aber vom Einheitsbrei des animierten Hollywood-Kinos oftmals nur auf den zweiten Blick zu unterscheiden. Die Provokation, einmal tatsächlich die Ästhetik des Computerspiels auf die Leinwand zu holen, war den Beteiligten offenbar zu riskant. Und mit dieser Beobachtung ist eigentlich auch der gesamte Film zusammengefasst. Wagnisse findet man hier nicht.

Darum geht es in „Ein Minecraft Film“
Fünf Autoren haben am Drehbuch von „Ein Minecraft Film“ gearbeitet und es ist ernüchternd, was für ein banales Werk daraus entstanden ist. Da werden maximal Gemeinplätze vorgetragen. Man will ein Plädoyer für die Kraft der Fantasie und Kreativität formulieren. Am Ende überführt man sie jedoch vor allem in die pure Spießigkeit und einen Opportunismus, der den herrschenden Ideologien dient. Diese Videospiel-Verfilmung unter der Regie von Jared Hess („Napoleon Dynamite“) erzählt davon, wie eine Gruppe bunt zusammengewürfelter Menschen, unter anderem gespielt von Jack Black und Jason Momoa, über ein Portal in die Minecraft-Welt gelangt.
Das meint zunächst die sogenannte Oberwelt, in der man bauen und kreieren kann, was immer man sich vorstellt. Aber dieser kreative, vermeintlich freie Raum wird bedroht von den Bewohnern des sogenannten Nethers. Monströse Schweine mit leuchtenden Augen hausen dort und verbringen die Tage damit, unter der Aufsicht ihrer Tyrannin nach Gold zu graben. Alles, was Spaß macht, ist hier Tabu. Man trägt also einen sinnbildlichen Kampf gegen eine Vereinnahmung durch die reine Raffgier und eine Welt aus, die nur noch in den Regeln der Wirtschaft und des Profits denken kann.

Ein „American Pie“-Star stiehlt allen die Show
Schön und gut, denkt man sich. Davon abgesehen, dass der gesamte Film aus einer ermüdenden, redundanten Abfolge des immer gleichen Slapstick-Klamauks, des Schreiens und Grimassierens besteht. Ständig hetzen Figuren umher und doch regiert da der bloße erzählerische Leerlauf und Nonsens. Letzteren weiß höchstens der ehemalige „American Pie“-Star Jennifer Coolidge angemessen trashig zu bespielen. Die Schauspielerin wird hier in ein absurdes Dating-Szenario mit einem der eckigen Dorfbewohner aus der Spielewelt verpflanzt.
Ansonsten ist von der Kreativität, für die man sich auf der Leinwand einsetzen will, recht wenig zu spüren. „Ein Minecraft Film“ ist ein einziges Geflecht aus Anspielungen und Insider-Gags. Ein harmloser Werbefilm und damit nur ein weiteres Puzzleteil im riesigen Minecraft-Franchise. Alles, was tatsächlich eine Gegenwelt, ein Gegennarrativ in der Logik des Videospiels bieten könnte, wird schlussendlich eingehegt in die gewohnten Verhältnisse der Realität.

Zynische Moral
Depressionen, Existenzängste, Wohnungsnot, Armut, die Themen und Probleme also, die der Film eingangs eröffnet, sollen dort mit ein paar Job-Wechseln, Basteleien und neuen Geschäftsideen aus dem Weg geräumt werden. Das Problem ist also keineswegs ein politisches und wirtschaftliches System, sagt dieser Film. Nein, vielleicht haben wir alle nur den falschen Job gewählt? Na schönen Dank auch!
Würden wir nur ein Fünkchen Einfallsreichtum, den wir beim Zocken an der Konsole an den Tag legen, in ein Unternehmen oder ein Geschäftsmodell stecken, müssten wir uns weniger beklagen. Nimm die Erfahrungen der Freizeit, um besser im Berufsleben zu bestehen. So könnte man das fragwürdige Happyend dieses Fantasyfilms auch zusammenfassen. Unbeholfener kann man sich dem neoliberalen Status quo kaum anbiedern. Noch dazu unter dem Deckmantel der Kunst! „Ein Minecraft Film“ ist damit nicht nur ein Verrat an dem Potential des Videospiels, sondern auch der reinste Zynismus, der eigentlich überhaupt keine unbequemen Fragen mehr stellt.
„Ein Minecraft Film“ läuft seit dem 3. April 2025 in den deutschen Kinos.
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